Nachwuchsförderung
Lehrer scheuen Betriebspraktika

Um ihren Nachwuchs zu sichern, gehen immer mehr Unternehmen neue Wege: Sie laden Pädagogen zu einem Schnupperkurs ein. In sogenannten Betriebspraktika sollen die Lehrer für die Bedürfnisse der Unternehmen sensibilisiert werden und ihr neu gewonnenes Wissen an die Schüler weitergeben. Doch das Angebot wird von der Bürokratie gebremst.

DÜSSELDORF. Günther Meyer geht es wie vielen Ausbildern in deutschen Betrieben. „Es ist durch den demografischen Wandel schwieriger geworden, geeignete Bewerber für unsere Ausbildungsplätze zu finden, vor allem im technischen Bereich“, sagt Meyer, der Jugendliche beim Flugzeughersteller Airbus in Hamburg zum Fluggerätemechaniker oder zum Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme ausbildet. Die Bewerberzahlen gingen zurück, und nur wenige Jugendliche wählten Mathe als Leistungskurs in der Schule, sagt Meyer.

Airbus geht deshalb ungewöhnliche Wege, um den Nachwuchs für die 600 Ausbildungsplätze in Hamburg zu sichern: Über die Handelskammer Hamburg bietet der Flugzeugbauer Betriebspraktika für Lehrer an. Für eine Woche kommen Pädagogen von allgemeinbildenden Schulen in das Unternehmen, lernen Arbeitsabläufe kennen, etwa die Produktion von einem Airbus, und erfahren in der Personalabteilung, wie angehende Lehrlinge rekrutiert werden. Pro Jahr hospitieren sechs Lehrer; bislang nahmen 50 Lehrkräfte an der Aktion teil.

„Der Lehrer bekommt im Praktikum einen Eindruck, welche Kompetenzen seine Schüler brauchen, wenn sie sich bei Airbus bewerben wollen“, sagt Ausbilder Meyer. Sowohl fachliche Kompetenzen als auch sogenannte Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein würden im Flugzeugbau vorausgesetzt. Airbus habe mit den Lehrerpraktika einen guten Weg gefunden, um die Zusammenarbeit mit den Schulen zu verbessern. „Wichtig ist mir, dass die Lehrer den Schülern ihre Eindrücke aus der Arbeitswelt und die Anforderungen der Betriebe vermitteln, um sie auf das Berufsleben vorzubereiten“, sagt Meyer. Viele der Lehrer-Praktikanten seien zum ersten Mal in einem Unternehmen.

Das Praktikum für Lehrer bei Airbus gehört zum Projekt „Innenansichten“ der Handelskammer Hamburg. Seit 13 Jahren vermittelt die Kammer zusammen mit der Schulbehörde Lehrer in Unternehmen, die Einblicke in die Welt der Wirtschaft bekommen möchten. Bislang nahmen 800 Pädagogen an dem Projekt teil. In diesem Jahr haben sich bereits 70 interessierte Lehrer gemeldet, normalerweise gehen bis Jahresende 80 Anfragen ein. Dennoch ist die Nachfrage geringer als das Angebot. Die Wirtschaft stellt den Hamburger Schulen in diesem Jahr 200 Lehrerpraktikumsplätze zur Verfügung – eine Rekordzahl für das Projekt. Zu den Firmen zählen unter anderem Shell, die Optikerkette Fielmann, die Werft Blohm + Voss, aber auch viele Mittelständler.

„Die Lehrerpraktika sind oft die Türöffner für eine nachhaltige Kooperation zwischen Unternehmen und Schulen“, sagt Projektleiter Paul Raab von der Handelskammer Hamburg. Weitere Aktionen, wie Betriebsbesichtigungen und Bewerbertrainings, folgten dann, erklärt Raab.

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