Neben Marketing und Management stehen Hebräisch und Russisch auf dem Stundenplan
Wiener Eliteschule bildet Experten für Osteuropa aus

Klein, aber fein – an der Lauder Business School (LBS) in Wien trifft dieses Klischee zu. Mit nur 24 Studenten ist die vor gut einem Jahr im Stadtteil Döbling eröffnete LBS wohl eine der weltweit winzigsten Hochschulen. Dafür bietet sie eine exzellente Ausstattung und ein Ausbildungsprogramm, das die Absolventen fit für die boomende Wirtschaft in Osteuropa machen soll.

HB WIEN. Der kleinen Schar an Studenten fehlt es dabei an kaum etwas: moderne Computer, Internet-Anschlüsse für den Laptop an jedem Arbeitsplatz sowie ein Dozenten-Studenten-Verhältnis, von dem man an staatlichen Universitäten nur träumen könnte.

Und die Hochschule will wachsen. „Maximal 60 Studierende pro Jahr wollen wir aufnehmen“, sagt Bruno Kohlberg, Rektor der LBS. Bei einem vier Jahre dauernden Studium würden so bis zu 240 Studierende den parkartigen Campus der Business School bevölkern. Zwar ist es dem Rektor bisher noch nicht gelungen, so viele Studenten aufzunehmen. Kohlberg macht dafür den Gründungsprozess und die damit verbundenen Schwierigkeiten verantwortlich. Das soll sich aber im Sommer ändern. Für den Juni ist die mehrfach verschobene feierliche Eröffnung geplant.

Denn die LBS ist auf weitere Studenten angewiesen. Zwar hat die amerikanische Lauder-Foundation die Erstinvestitionen übernommen; jetzt aber muss sich die Einrichtung zumindest teilweise selbst tragen. In Österreich ist es üblich, dass der Staat einen Teil der laufenden Kosten übernimmt. Gut 20 Prozent muss die Hochschule selbst erwirtschaften. Mit rund 15 000 Euro jährlich für Studiengebühren, Unterkunft und Verpflegung gehört die Lauder Business School daher nicht gerade zu den billigen Ausbildungsstätten in Europa.

Die Mehrheit der bisher eingeschriebenen Studenten ist russischer Herkunft und jüdischen Glaubens. Die meisten von ihnen könnten die Ausbildung nicht aus eigener Kraft finanzieren. Der 19-jährige Lew aus Tallinn etwa hat in diesem Oktober sein Studium an der Eliteschule mit einem Stipendium aufgenommen: „Nur dadurch habe ich überhaupt die Chance, an einer so erstklassigen Hochschule zu studieren.“

An der LBS lernen die Studenten Marketing und Management. Theorie und Praxisteile wechseln sich dabei ab. So absolvieren die Studenten beispielsweise ein viermonatiges Praktikum. Zu den Besonderheiten aber gehört die sprachliche Ausrichtung: Russisch, Deutsch und Hebräisch gehören zu den angebotenen Sprachen – Schlüsselqualifikationen, die es den Absolventen erlauben sollen, ihre Nische in der globalisierten Weltwirtschaft zu finden.

„Osteuropa ist für absehbare Zeit der sich am stärksten entwickelnde Markt“, gibt sich Kohlberg überzeugt. Die stark nach Osten orientierten österreichischen Unternehmen haben dieses Potenzial seit langem erkannt. Der Versicherungskonzern „Wiener Städtische“ hat daher bereits ein erstes Stiftungsstipendium an der LBS eingerichtet.

Aber auch Israel ist von Interesse. Durch den starken Anteil jüdischer Studierender, den angebotenen Hebräisch-Unterricht und die Jewish Studies werden Fachleute für diesen Markt ausgebildet. „Langfristig“, hofft Kohlberg, „wird die LBS die Keimzelle einer echten jüdischen Universität für Europa nach dem Vorbild der Brandeis-University in Boston.“

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