Nerven vieler Anwälte liegen blank
Die unbehagliche Konkurrenz

Seit zehn Jahren gibt es Wirtschaftsjuristen – zum Geburtstag wünschen sie sich jetzt die Lizenz zur Rechtsberatung.

HB DÜSSELDORF. Das Bundesjustizministerium hat Sinn für Dramaturgie, gar keine Frage. Brigitte Zypries will nicht. Ein Staatssekretär möchte ganz gern. Andere Beteiligte mögen sich nicht entscheiden. Effektiver kann man die Spannungskurve nicht aufbauen – das finden jedenfalls Anwälte und Wirtschaftsjuristen. Denn die sitzen aufgewühlt im Publikum der sommerlichen Aufführung und warten auf eine Antwort auf die entscheidende Frage: Dürfen Diplom-Wirtschaftsjuristen von der Fachhochschule bald Rechtsberatung leisten?

Zur Gemütslage: Die Wirtschaftsjuristen hoffen und die Anwälte bangen, dass es so kommt. „Es wird Zeit, den Wirtschaftsjuristen die Lizenz zu erteilen“, sagt Ralf Bernd Abel, Professor an der Fakultät für Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Schmalkalden. „Das sind qualifizierte Absolventen, denen man nicht länger die Verwertung ihrer Kenntnisse verwehren darf.“ Bislang ist die Tätigkeit der Diplom-Juristen eng abgesteckt: Im Gegensatz zu den Volljuristen mit zwei Staatsexamina dürfen sie nur im Angestelltenverhältnis arbeiten. Die Wirtschaftsjuristen versprechen sich nun von der Reform des Rechtsberatungsgesetzes (ein Entwurf wird im September präsentiert), dass sie erstmals eigene Kanzleien eröffnen dürfen.

Seit dem Startschuss vor rund zehn Jahren steigt das Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten kontinuierlich an: Rund 20 Fachhochschulen bieten mittlerweile den Studiengang an, deutschlandweit legen jährlich 700 Absolventen das Diplom ab. Die Institute reagieren damit auf die wachsende Nachfrage aus der Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen setzen auf die praxisnah ausgebildeten Wirtschaftsrechtler. „Die Angst vor Arbeitslosigkeit – das betrifft unsere Absolventen in der Regel nicht“, sagt Abel. Die Zahlen sprechen für sich: Im Schnitt kommen 90  % der Absolventen aus Schmalkalden problemlos in Unternehmen unter. Kein Wunder: Zu den Kenntnissen in Wirtschaftsrecht (die vielen Volljuristen noch immer fehlen) bringen die FH-Juristen Wissen in Betriebs- und Volkswirtschaft sowie gute englische Sprachkenntnisse durch die oftmals obligatorisch vorgeschriebenen Auslandssemester mit.

90 Prozent – eine Erfolgsquote, von der Volljuristen nur träumen können. Von den jährlich rund 8  000 Anwälten, die auf den ohnehin schon überfüllten Rechtsberatungsmarkt strömen, können nur die auf einen guten Job hoffen, die Prädikatsexamina oder andere herausragende Qualifikationen vorweisen können. Eine wirkliche Konkurrenz waren die Wirtschaftsjuristen für sie bisher nur in wenigen Bereichen.

Seite 1:

Die unbehagliche Konkurrenz

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%