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Neue Abschlüsse bedingen Studienreform

Wir müssen endlich begreifen, dass es kein Zurück mehr gibt“, forderte Hannelore Kraft kürzlich energisch. In Nordrhein-Westfalen (NRW) hat sie als Wissenschaftsministerin dafür gesorgt, dass zum 1. Januar 2005 ein Gesetz in Kraft tritt, das die Umstellung der Hochschulen des Landes auf die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge bis zum Studienjahr 2006/2007 verbindlich vorsieht.

HB DÜSSELDORF. Die Ministerin möchte damit nun „endlich von der Diskussion über das ,Ob’ wegkommen“. Es gehe jetzt nur noch um das „Wie“ und die Inhalte.

In Bezug auf das „Ob“ sind inzwischen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern bundesweit Fakten geschaffen: Eine Verpflichtung zur Umstellung bis zum Jahr 2010 gibt es zwar nicht, aber die meisten Bundesländer haben die neuen Abschlüsse in ihre Landesgesetze aufgenommen, NRW und Baden-Württemberg gar verknüpft mit Terminvorgaben.

Insgesamt wird es nach einer Zählung der Hochschulrektorenkonferenz zum Winter 2004/2005 bundesweit mehr als 1 250 Bachelor- und 1 300 Masterstudiengänge geben. Das entspricht 23 Prozent des gesamten Studienangebots und hat sich somit erheblich entwickelt, denn zwei Jahre zuvor waren erst 8,5 Prozent der Studienangebote auf die neuen Abschlüsse umgestellt.

Mit dem steigenden Angebot jedoch wuchs nicht gleichzeitig die Nachfrage: Zwar hat sich die Anzahl der Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen von 6 700 im Wintersemester 1999/2000 auf über 65 000 im Winter 2002/2003 fast verzehnfacht, jedoch: Insgesamt waren dies erst 3,5 Prozent aller Studierenden.

Dafür gibt es Gründe: Die noch nicht absehbare Qualität der neuen Studiengänge führt zur Verunsicherung und bewirkt, dass sich die meisten Studenten von einem traditionellen Abschluss immer noch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt versprechen. Und das wohl zu recht, denn viele große Arbeitgeber stehen noch ratlos vor der Frage, wie sie ihre Rekrutierungsprozesse und Einstiegsprogramme auf die neuen Abschlüsse umstellen und Absolventen bewerten sollen.

„Das Problem ist, dass die Arbeitgeber in der Übergangsphase die Auswahl haben zwischen Diplom- und Magisterabsolventen, Bachelorn, Mastern und Berufsakademieabsolventen“, sagt Norbert Bensel, Personalvorstand der Deutschen Bahn. „Da werden sie sich für das entscheiden, was sie kennen.“

Dass derzeit niemand mehr den Überblick habe, findet auch Oliver Maassen, Leiter Personalmarketing bei der Hypovereinsbank (siehe auch Interview), verständlich. Derzeit addierten sich schon alle Bachelor-, Master- und Diplomstudiengänge auf etwa 10 000 und nach der kompletten Umstellung müssten sich Personalmanager unter etwa 20 000 neuen Studiengängen zurechtfinden, rechnet er hoch.

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