Neue Finanzierungsmodelle
Privatunis feilen an ihrem Image

Seit Jahrzehnten kämpfen private Hochschulen mit dem landläufigen Vorurteil, nur Sprösslinge reicher Eltern zu beherbergen. Nun sollen neue Finanzierungsmodelle Studenten aller Schichten anlocken. Doch für den angestrebten Imagewandel gibt es auch rein pragmatische Gründe.

FRANKFURT. Rosa Hemd mit aufgestelltem Kragen, der Pulli hängt lässig über den Schultern, die Haare sind mit Schwung nach hinten gekämmt – so stellen sich die meisten Deutschen einen Studenten an einer privaten Hochschule vor. Zur Vorlesung kommt er mit dem BMW, abends büffelt er in seinem Loft, den seine Eltern als angemessenes Studentendomizil für ihren Sprössling gekauft haben. Soweit die Vorurteile. Das Image der privaten Hochschulen lautet: „Hier studieren die Kinder der Reichen“, und es hält sich seit Jahrzehnten hartnäckig.

Das wollen die Universitäten jetzt ändern und bauen ihre Stipendienprogramme aus. Unsere Türen stehen allen offen, heißt die Devise. Ob der Imagewandel tatsächlich gelingt, ist fraglich. Aber einen Versuch ist es wert. Sabine Fuchs, Geschäftsführerin der European Business School (EBS), die sich als Standort ein Schloss im Rheingau ausgesucht hat, hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2011 will sie den Anteil der Stipendienempfänger unter ihren Studenten von zehn auf 25 Prozent anheben. „Wir wollen allen Studenten ein Studium an der EBS ermöglichen“, erklärt sie. Michael Frenkel, Rektor der privaten Universität WHU im rheinland-pfälzischen Vallendar, geht noch weiter. Bis spätestens 2012 soll der Anteil der Stipendiaten bei 40 bis 50 Prozent liegen.

Zwar haben die privaten Hochschulen schon immer Stipendien angeboten, sonst hätten sie keine Akkreditierung bekommen. Doch jetzt sind es andere Gründe, die sie zum Handeln zwingen. „Sie wollen das Image loswerden, dass bei ihnen der Zugang zum Studium durch Geld und Herkunft bestimmt wird“, sagt Michael Hartmann, Eliteforscher an der Technischen Universität Darmstadt.

Neben solchen ideellen Gründen für den Imagewechsel gibt es zudem noch konkretere Ziele. Die Universität Witten-Herdecke, Deutschlands älteste private Hochschule, ist Anfang des Jahres knapp an einer Pleite vorbeigeschrammt. Jetzt will sie die Anzahl ihrer Studenten von 1 200 auf 1 500 erhöhen und gleichzeitig die Studiengebühren anheben. An der EBS und WHU sollen in drei bis vier Jahren sogar doppelt so viele junge Menschen studieren wie heute. Doch Studenten werden in der Zukunft wegen des Geburtenknicks ein immer knapperes Gut werden. „Wir konkurrieren mit den guten staatlichen Hochschulen um die besten Studenten“, gibt WHU-Rektor Frenkel zu. Daher will der Rektor auch die anlocken, die sich die Studiengebühren von circa 10 000 Euro pro Jahr nicht ohne weiteres leisten können. Es gibt weitere handfeste finanzielle Zwänge. Die EBS beispielsweise will Geld vom Staat bekommen. Dieses Geld, das auch an den chronisch unterfinanzierten öffentlichen Hochschulen dringend benötigt wird, dürfte schwer zu bekommen sein für eine Universität, an der scheinbar nur Kinder reicher Eltern studieren.

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