Neuer Studiengang
Unternehmen suchen Quereinsteiger für ihre Personalabteilung

Personalabteilungen sind ein beliebtes Beschäftigungsfeld für Quereinsteiger. Neben Betriebswirten finden vor allem Juristen, aber auch Soziologen, Theologen und Psychologen ihren Weg ins Personalgeschäft. Bisher bieten die Universitäten kaum spezielle Studiengänge für gut ausgebildete Personaler an – dies soll sich nun ändern.
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DÜSSELDORF. „Wir sind an guten Nachwuchskräften für unser Personalmanagement interessiert“, sagt Simone Siebeke, Bereichsleiterin Human Resources Kosmetik bei Henkel. Doch hochqualifizierte Absolventen bewerben sich in der Regel eher für andere Unternehmensbereiche, nicht aber für die Arbeit in einer Personalabteilung, sagt Siebeke.

Personalabteilungen sind ein beliebtes Beschäftigungsfeld für Quereinsteiger. Neben Betriebswirten finden vor allem Juristen, aber auch Soziologen, Theologen und Psychologen ihren Weg ins Personalgeschäft. Dagegen sei nichts zu sagen, so Siebeke. „Solange sie über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen, strategisch denken und überzeugungsfähig sind.“ Zusätzliches fundiertes Human-Resource-Management-Wissen (HR) hingegen brächten wenige von der Uni mit. „Ein Toptalent mit fundiertem HR-Wissen, das wäre das Ei des Kolumbus“, so Siebeke.

So ein „Ei“ will die Katholische Universität Eichstätt legen. Zum kommenden Sommersemester soll dort der berufsbegleitende Studiengang „Executive Master of Leadership in Human Resource Management“, kurz hrm.master, starten. Ursprünglich sollte er schon im September dieses Jahres beginnen. Doch durch die Wirtschaftskrise seien viele Partnerunternehmen von ihrer Zusage, im Herbst Teilnehmer für den neuen Studiengang zu senden, wieder abgerückt, erklärt Oliver Kohmann, Projektleiter des hrm.master, den Verzug. Nun ist also das Frühjahr 2010 fest eingeplant.

Die Voraussetzungen für den hrm.master sind ein abgeschlossenes Studium und zwei Jahre Berufserfahrung. In fünf Semestern sollen diese zu strategischen Partnern der Unternehmensführung werden, ganz im Sinne des Business-Partner-Modells moderner Personalarbeit. Dabei setzen die Initiatoren bei der Auswahl der Lehrkräfte auf „renommierte Vertreter der Unternehmenspraxis“. Und auf einen Beirat, dem u. a. der Personalvorstand der Deutschen Telekom Thomas Sattelberger angehört. Zu den Wissenschaftlern, die im hrm.master lehren werden, zählt Christian Scholz, Professor für Personalmanagement an der Universität des Saarlandes. Scholz gründete 1986 den ersten Lehrstuhl in Deutschland, der die Bezeichnung „Personalmanagement“ im Titel führt. Zu einer Zeit, sagt Scholz, als die Verbindung von „Personal“ und „Management“ noch heiß diskutiert wurde. In den Folgejahren habe sich dann langsam das Konzept des Personalmanagers als strategischer Partner der Unternehmensführung durchgesetzt. Doch jüngst beobachtet Scholz eine Rückentwicklung und kritisiert das heftig. „Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource eines Unternehmens“, so Scholz, „und deshalb muss man auch professionell damit umgehen.“ Vorstände und Führungskräfte könnten gute Personalabteilungen nicht ersetzen, meint der Personalexperte.

Die Uni Eichstätt nehme mit ihrem neuen Studiengang das Business-Partner-Modell ernst, sagt auch Randolf Jessl, Chefredakteur des „Personalmagazins“. Und da zähle vor allem die Persönlichkeitsbildung der Personaler selbst. Sie seien es, die in Zeiten des Fachkräftemangels gute Leute rekrutieren und langfristig binden müssen. Vor diesem Hintergrund wachse die Bedeutung sogenannter weicher Faktoren wie eine gute Arbeitsplatzkultur und die Motivation der Mitarbeiter. Dank dieser Entwicklung hätten auch in Zukunft Seiteneinsteiger Chancen, die die richtigen sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Kompetenzen mitbringen, relativiert Jessl die Ansprüche an die Personaler.

Doch selbst wenn nur ausgewählte Unternehmen auf starke Personaler setzten, gebe es dafür nicht genügend Absolventen, sagt Christian Scholz. „Die künftigen Absolventen der Uni Eichstätt sind lediglich ein – allerdings wichtiger – Tropfen auf den heißen Stein.“ Stattdessen brauche Deutschland eine Vielfalt an Studiengängen, die sich auf das Thema Personalarbeit konzentrieren.

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