Nicht alle Paare lieben ihr Halb-Single-Halb-Paar-Dasein
Der Tribut an die Karriere

Erfolg im Beruf fordert seinen Preis. Die private Partnerschaft bleibt oft auf der Strecke – als Fernbeziehung.

Ganze 402 Kilometer trennen Petra U. (Name geändert) von ihrem Mann. So weit ist es nämlich von Stuttgart nach Düsseldorf, und jedes Wochenende ist einer von beiden gefordert, die Strecke mit dem Zug hinter sich zu bringen.

Erstrebenswert findet die 46-jährige Managerin diese Konstellation keineswegs. „Doch da wir beide unter der Woche lange arbeiten, käme Privates sowieso immer zu kurz“, sagt die Diplombetriebswirtin nüchtern. Sie pendelt seit 18 Jahren und sieht das als Preis für ihrer beider Karrieren im gehobenen Management an.

Ein solches Paar ist kein Ausnahmefall, bestätigt Norbert Schneider. Als Professor für Soziologie an der Universität Mainz hat er das Phänomen der Liebe auf Distanz bei insgesamt 1 000 mobilen Berufstätigen und ihren Partnern untersucht: „Fernbeziehungen sind größtenteils (71 Prozent) beruflich motiviert und erstaunlich langlebig: 43 Prozent bestehen seit drei bis sechs Jahren, 13 Prozent seit sechs bis zehn Jahren und weitere 12 Prozent sogar zehn Jahre und länger.“

Doch nicht alle Paare lieben ihr Halb-Single-Halb-Paar-Dasein gleichermaßen. Während 40 Prozent keine Probleme mit der sporadischen Zweisamkeit haben, würden 60 Prozent die Situation gerne ändern und an einen Ort zusammenziehen. Doch steht diesem Wunsch häufig der eigene oder der Beruf des Partners entgegen.

So etwa im Fall von Conny Modauer. Seit vier Jahren ist die Chefin einer Medienagentur mit Moderator Jan Hofer liiert, zu dessen Job es gehört, die Hälfte des Jahres beruflich auf Achse zu sein. Sie hingegen lebt und arbeitet in Hamburg. „Da gilt es, das Beste daraus zu machen“, sagt die 48-Jährige über ihre zwangsläufige Pendel-Liebe. Sie gibt aber zu bedenken, dass eine Fernbeziehung den großen Vorteil hat, dass man zu sich selbst finden kann und nicht Gefahr läuft, sich zu stark über den Partner zu definieren.

Auch Monica Stübbe hat sich mit der Fernbeziehung angefreundet. Seit ihr Mann Detlef in der Mobilkommunikation Karriere macht und viel in Skandinavien, Holland und Spanien unterwegs ist, steckt sie seit sieben Jahren wider Willen in einer Wochenendbeziehung.

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