"Nicht mehr sozialadäquater Exzess"
Einmalige Entgleisung ist kein Mobbing

Einen Schritt vor - zwei Schritt zurück. Das Landesarbeitsgericht (LAG) Thüringen, einstmals Vorreiter im juristischen Kampf gegen Mobbing am Arbeitsplatz, hat in einer neuen Entscheidung seine bisherige Rechtsprechung korrigiert.

HB/crz GARMISCH. Mobbing kann danach nur noch angenommen werden, wenn der betroffene Arbeitnehmer dem Gericht systematische und zielgerichtete Anfeindungen aus dem Kollegen- oder Vorgesetztenkreis nachweist. Daran fehlt es, so die Thüringer Richter, wenn der Arbeitgeber in einer Konfliktsituation mit einem "nicht mehr sozialadäquaten Exzess reagiert".

Den erlebte eine Bankangestellte aus Gera, als ihr Chef sie völlig grundlos von der Arbeit suspendierte und sie nachfolgend wegen der Aufgabe des Filialnetzes in den neuen Bundesländern nach München versetzte. Die Mitarbeiterin war danach über einen längeren Zeitraum aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig. Sie warf ihrem Arbeitgeber eine "Zersetzungsstrategie mit stasi-typischen Methoden" vor und forderte Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Das Gericht gestand der Klägerin zu, dass sie auf eine entwürdigende Art von ihrer Arbeitsstelle davongejagt wurde. Einen Mobbingkontext wollten die Thüringer Richter daraus gleichwohl nicht herleiten. Die Annahme der Klägerin, sie sei auf stasihafte Weise gemobbt worden, wertete das Gericht als reine Spekulation. Die Klägerin sei weder mit dem Ziel nach München versetzt worden, sie zu zermürben, noch könne die Art und Weise der späteren Beschäftigung in München als Psychofolter bezeichnet werden.

Zwar nehmen auch nach den Beobachtungen des LAG in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit mobbingtypische Konflikte am Arbeitsplatz zu, weil der Ausweg, den Arbeitsplatz zu wechseln, versperrt ist. Eine einmalige Verletzung des Persönlichkeitsrechts sei aber kein Mobbing. Im Übrigen würden sich Verfahren mit Mobbingbezug in der Regel an dem im Einzelfall gegebenen Sachverhalt und nicht an Rechtsfragen entscheiden, so das LAG.

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