Nickerchen bei der Arbeit kann teuer werden
Rote Karte für Faulpelze im Büro

Der steigende Kosten- und Wettbewerbsdruck auf die Unternehmen setzt sich zwangsweise auch in die Arbeitsverhältnisse hinein fort. Arbeitnehmer, die nicht mit Engagement mitziehen, können sich viele Betriebe kaum noch leisten.

HB ERFURT. Da passt es, dass in die Rechtsprechung zum Thema "Faulenzer" Bewegung ist gekommen, wie Alexius Leuchten, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der KPMG Treuhand Beiten Burkhardt in München, beobachtet hat. Er stellt aber gleichzeitig klar: "Die Hürden für eine Kündigung sind noch sehr hoch."

"Vor zehn Jahren konnten Sie das ganz vergessen", meint Leuchten. Die jüngere Rechtsprechung aber sehe anders und differenzierter aus. So bestätigte das Arbeitsgericht Frankfurt/M. im November die Entlassung einer Architektin, die für Gutachten doppelt so lange brauchte wie ihre Kollegen. Schon im Juni 2003 billigte das Landesarbeitsgericht (LAG) Köln nach mehreren Abmahnungen die Kündigung eines Vorarbeiters in der Fahrzeugreinigung, der mehrfach unzureichend gereinigte Bahnwaggons durch die Endabnahme hatte gehen lassen. Und im Juni vergangenen Jahres schließlich ließ in oberster Instanz das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt die Entlassung eines Vertriebsbeauftragten wegen mangelnden Erfolgs zu.

Letzteres allerdings sei eine "Extrementscheidung", betont Jobst Bauer-Hubertus von der Kanzlei Gleiss Lutz in Stuttgart. Es ging um einen der zwei "Business Development Executives" (BDE) des ausländischen Unternehmens in Deutschland - Spitzenvertriebskräfte mit einem Festgehalt von umgerechnet knapp 150 000 Euro plus Provision. Auch nach mehr als einem Jahr war ihm noch kein einziger Vertragsabschluss gelungen. Dadurch sei "das Äquivalenzverhältnis von Leistung und Gegenleistung" derart nachhaltig gestört, dass die Kündigung sozial gerechtfertigt sei, entschied das BAG. Nach Veröffentlichung dieses Urteils wurde häufig der Schluss gezogen, tatsächliche oder vermeintliche Faulenzer seien nun leicht zu entlassen. "Dem würde ich mit Nachdruck entgegentreten", warnt Bauer.

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