Notwendigkeit muss fachkundig festgestellt werden
Brille für PC-Job ist steuerlich absetzbar

Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat jetzt die Kosten eines Steuerpflichtigen für seine speziell für den Computer-Einsatz ausgemessene Brille für abziehbar gehalten und ihm 746 Euro Werbungskosten zugesprochen.

HB DÜSSELDORF. Es entschied damit ausdrücklich anders als der Bundesfinanzhof (BFH) in einem ähnlichen Fall, wo es um eine „normale Sehbrille“ ging, deren Einsatz offenbar auch anderswo als am Computer-Arbeitsplatz möglich gewesen wäre. Allerdings behandelte das Finanzgericht die Arbeitsbrille als Arbeitsmittel, weshalb der Kläger die Kosten nicht in einem Jahr, sondern nur über drei Jahre verteilt abziehen kann, weil kein geringwertiges Wirtschaftsgut (bis 410 Euro) mehr vorliegt.

Der Kläger hatte sich neben anderen Brillen speziell eine nur für den Einsatz am PC ausmessen und augenärztlich verordnen lassen, war aber auf den Kosten sitzen geblieben. Krankenkasse und Beihilfestelle lehnten die Erstattung ab. Begründung: Aufwendungen für ausschließlich aus beruflichen Gründen angeschaffte Sehhilfen seien nicht erstattungs- und beihilfefähig. Der Kläger stellte sich deshalb auf den Standpunkt, steuerlich müssten die Kosten dann aber zum Abzug als Werbungskosten zugelassen werden. Das Finanzamt lehnte dies ab mit dem Hinweis auf ein BFH-Urteil aus dem Jahr 1993, wo festgestellt wurde, eine Brille habe stets die Funktion, einen körperlichen Mangel auszugleichen und sei daher kein Arbeitsmittel (Az. VI R 31/92).

Das sah das FG Baden-Württemberg anders: Auf Grund von § 6 Abs. 2 und 1 der Bildschirmarbeitsverordnung von 1996 habe eigentlich der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine spezielle Sehhilfe für die Arbeit an Bildschirmgeräten zur Verfügung zu stellen, wenn deren Notwendigkeit fachkundig festgestellt worden ist. Dies sei schon seit dem Ergehen entsprechender EG-Richtlinien von 1989 und 1991 in Deutschland geltendes Recht. Trage hingegen der Arbeitnehmer an Stelle des Arbeitgebers den Aufwand für die PC-Arbeitsbrille, so seien bei ihm Werbungskosten anzunehmen, genauso wie anderenfalls Betriebsausgaben des Arbeitgebers vorlägen.

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