Ökonomische Bildung in der Praxis: Schüler entdecken die Wirtschaft und starten ihre eigenen Unternehmen
Gründerzeit an deutschen Schulen

Siebzig Cent verdient Artur Borger pro Stunde. Ein mieser Lohn für einen Vorstandsvorsitzenden, mögen viele denken. Doch anders als die Lenker der großen deutschen Vorzeigekonzerne interessiert sich der Unternehmer nicht für das Geld. Denn Artur ist gerade 19 Jahre alt, Schüler am Luise-Henriette Gymnasium in Berlin und hat mit seiner Firma Grammophonia bei Junior, einem Gründungswettbewerb für Schülerunternehmen, den zweiten Platz belegt.

DÜSSELDORF. Dabei war die Konkurrenz groß. Allein bei Junior traten in diesem Jahr 304 Teams gegeneinander an. Ein Jahr zuvor waren es erst 280, für den kommenden Wettbewerb rechnen die Organisatoren sogar mit 350 Anmeldungen.

Auch andere, ähnliche Projekte verzeichnen immer größeren Andrang. Denn seitdem die Wirtschaft vermehrt über mangelnde ökonomische Ausbildung der Schüler und fehlende Praxiserfahrungen bei Uniabsolventen klagt, liegen die Initiativen im Trend.

Auch Artur hat gelernt – vor allem durchzuhalten. Denn leicht war es nicht, sagt der Abiturient. Am schwierigsten sei es gewesen, die passende Idee zu finden, berichten seine Teamkollegen. Man glaubt es gern. So hat sich Grammophonia darauf spezialisiert, alte Schallplatten auf CDs zu kopieren. Und das, obwohl sich auf den Stereoanlagen der Jugendlichen zuvor nur die Silberlinge drehten. Die Scheiben aus schwarzen Vinyl kannten sie meist von nur aus den Erzählungen ihrer Eltern.

Dennoch wurde das Unternehmen ein Erfolg. „Wir haben mehr Aufträge bekommen, als wir abarbeiten konnten“, berichtet Lisa Meisterjahn, Leiterin der Verwaltung. Zu schnell hatte sich der Service bei Eltern, Verwandten und Lehrern rumgesprochen. Zu schnell, um die Arbeit zu bewältigen. Denn gearbeitet wird bei Grammophonia nur am Freitagnachmittag. Überstunden gibt es kaum. „Die Schule geht vor!“

Sieben Euro verlangen die Schüler für das Kopieren einer Platte. Soll die passende Hülle gleich mitgeliefert werden, fallen zwei Euro mehr an. „Die Preise haben wir vorher durchgerechnet“, sagt Artur. Profitabel soll das Unternehmen sein. „Eine gute Kalkulation ist eben alles.“ 400 Euro blieben daher am Ende der einjährigen Projektzeit in der Kasse.

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