Ohne Respekt mag es hier zu Lande gehen, aber nicht im Ausland
„Wenn Sie dann Klofrau sind“

Ohne Respekt mag es hier zu Lande gehen, aber nicht im Ausland. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Tatort Universität Bonn, genauer gesagt, eine juristische Vorlesung. Eine Studentin hatte die Frage des Professors falsch beantwortet. Kann ja mal passieren, möchte man meinen. Ist ja noch in der Ausbildung. Nicht so der Rechtslehrer. Der holte vor hunderten von Mitstudenten ein Zehn- Cent-Stück aus seinem Portemonnaie und legte es der jungen Frau hin mit der spöttischen Bemerkung: "Nehmen Sie es, damit Sie sich an Ihr Trinkgeld als zukünftige Klofrau gewöhnen."

Die Attacke war unverschämt, keine Frage. Zumal er die Studentin auch noch vor den Kommilitonen lächerlich machte. Dasselbe Verhalten wäre an einer amerikanischen Hochschule, wo ich schon oft zu Gast war, undenkbar. Höflichkeit und Respekt erwarten beide voneinander. Kritik und Verärgerung zeigen ist in Ordnung, aber nie ohne Respekt.

Doch wer denkt, nur in Ausbildungsbetrieben herrsche so ein Ton, irrt. Nehmen Sie dieses Beispiel: Ein weibliches Vorstandsmitglied um die 40 Jahre in einer karitativen Organisation wurde dem Vorstandschef der Muttergesellschaft vorgestellt. Noch bevor sie zu Wort kam, sagte der Chef über sie zu dem anderen Herrn im Raum gewandt: "Na, hübsch ist sie ja wenigstens." Was soll man darauf noch sagen? Vermutlich glaubte er, er sage etwas richtig Freundliches - und saß schon mittendrin im Fettnapf.

Mich erstaunt, dass in meiner Umfrage bei den Dax-30-Unternehmen nach einstellungsrelevantem Sozialverhalten alle behaupteten, dass sie auf Höflichkeit und Authentizität höchsten Wert legten. Erkennbar ist es nicht. Dabei ist beides so wichtig, vor allem fürs Auslandsgeschäft: Authentizität schafft Vertrauen, eine unabdingbare Voraussetzung für Erfolg in Asien. Überall auf der Welt ist die Idee, wie gerade wir Dienst und Schnaps trennen, fremd. Wer im Job verbissen den Unnahbaren gibt, schroff ist und so schnell keinen Freund nennt - um abends beim Bier den Jovialen herauszukehren, mag bei uns als Profi gelten. Auf die Idee, dass uns das als zu direkt, plump und unhöflich ausgelegt wird, kämen wir nie. Es ist aber leider so.

Unsere Geschäftskultur ist herunter gekommen. Oder kennen Sie Chefs, die wegen respektlosen Verhaltens gegenüber Mitarbeitern Abmahnungen kassierten? Ist nicht der knallhart eingesetzte Ellenbogen Erfolgsgarant?

Mein Gesprächspartner und Werber Joachim Strate von Ogilvy & Mather meint: Nur wenn das Management stabil ist, können sich auch die anderen mit dem Unternehmen identifizieren und respektvollen Umgang pflegen. Wie recht er hat.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten können Sie  hier nachlesen.

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