Online-Bewerbung
An der virtuellen Pforte ausgesperrt

So manche Firma gibt sich heute wie eine uneinnehmbare Festung. Die Angreifer, die es abzuwehren gilt, sind Stellensuchende, die Unternehmen mit ungebetenen Bewerbungen per E-Mail bombardieren. Die scheinbare Lösung: Online-Portale, die nur die erwünschten Kandidaten durchlassen. Doch die Besten und die Interessanten bekommen die Firmen so nicht.

Seitdem sich per Mausklick mal schnell Hunderte Blindbewerbungen verschicken lassen, ist die Zahl der Bewerbungen explodiert: 150 000 bis 300 000 erreichen die großen Unternehmen jedes Jahr. Personalentwickler Eberhardt Hofmann vom Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen berichtet: „Betriebe müssen eine Hürde aufbauen, damit Kandidaten ihre Bewerbungen nicht wahllos verschicken. Wenn sie das nicht tun, ertrinken sie.“ Mit Online-Karriere-Portalen versuchen die Personalabteilungen, sich vor unerwünschten Bewerbern abzuschotten. Hier dringt nur noch ins Innerste, wer firmenintern vorgegebene Kriterien genau erfüllt. Filtersoftware macht’s möglich.

Längst fühlen sich auch kleinere Firmen wie das Softwarehaus SD&M in München von der elektronischen Bewerberflut überfordert. „Wir bearbeiten über 6 000 unstrukturierte Mail-Bewerbungen im Jahr. Das können wir nicht mehr lange weiter so halten, denn es bindet enorme Ressourcen“, klagt Personalleiter Christoph Reuther, der nun ebenfalls ein Bewerberportal im Netz einrichten will. Solche waren bislang vornehmlich bei Konzernen wie Unilever, Siemens, Bayer, BMW, Beiersdorf, Deutsche Telekom oder Deutsche Post zu finden. Bei Daimler-Chrysler gar sollen sich Bewerber – egal ob Schlosser oder Ingenieur – nur noch übers Online-Portal melden, heißt es beim Autokonzern.

Auf den ersten Blick scheinen Online-Portale für Unternehmen nur Vorteile zu bringen. Profile lassen sich schneller und billiger verwalten, die fehlerbehaftete Eingabe in die Datenbank entfällt. Zudem können Personaler selbst entscheiden, welche Daten sie vom Bewerber abfragen. Dieser wird unter Umständen – ohne es zu merken – auf Grund seiner Angaben zu bestimmten Eingabefeldern gelenkt.





 Diskrete Kontaktaufnahme zu Headhuntern und Personalchefs, Jobs für Fach- und Führungskräfte: Melden Sie sich jetzt an!





Eines der größten Online-Karriere-Portale hat die Lufthansa mit www.be-lufthansa.com entwickelt. Die Software gleicht dabei – nach Vorgaben der Recruiter – fachliche und andere Qualifikationen von Bewerbern mit den Anforderungsprofilen offener Stellen ab. Die Fluglinie will mit dem digitalen „Lufthansa-Karriere-Assistenten“ aber nicht nur effizient Vakanzen besetzen, sondern per Talentdatenbank dauerhaft nach geeigneten Jobs im Konzern suchen. „Der Bewerber hat so langfristig die Gewähr, keine interessante Stelle zu verpassen. Und wir haben die Sicherheit, keinen motivierten und qualifizierten Kandidaten zu verlieren, nur weil zum Zeitpunkt seiner Suche keine passende Stelle vakant ist“, schildert Doris Krüger, Leiterin des Personalmarketings und der Personalauswahl der Lufthansa.

Für Stellensuchende hat der neue Bewerbungskanal aber auch Nachteile. Schließlich müssen sie ihre Daten bei jeder Firma immer wieder aufs Neue eintippen. Manchmal dauert das über eine Stunde. Wer sich etwa für einen Lufthansa-Job interessiert, muss nicht nur ein Profil anlegen, sondern auch online einige Tests absolvieren.

Seite 1:

An der virtuellen Pforte ausgesperrt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%