Ortswechsel
Charme der Schlichtheit

Phnom Penh gilt hierzulande als Symbol eines bürgerkriegszerstörten Landes. Doch die Hauptstadt Kambodschas hat sich in den vergangenen fünf Jahren verändert, die Wirtschaft boomt. Lothar Lauszat freut sich, dass die Bewohner der Stadt ihre Liebenswürdigkeit bewahrt haben

HB. Es ist unglaublich, wie sich Phnom Penh in den letzten fünf Jahren verändert hat. Als ich das erste Mal als Tourist nach Kambodscha kam, um mir Angkor Wat anzusehen, stand das Land noch am Anfang der Entwicklung. Die meisten Kambodschaner leben zwar auch heute noch von der Landwirtschaft, aber in der Stadt boomt die Wirtschaft wie verrückt.“

Nach seinem ersten Besuch 2003 war Lothar Lauszat so angetan von dem ursprünglichen Charakter der kambodschanischen Hauptstadt, dass er für ein Praktikum wiederkam – und blieb. Heute organisiert der 32-jährige Betriebswirtschaftler aus dem schwäbischen Meckenbeuren die Logistik für eine internationale Spedition. „Eigentlich wollte ich nach Neuseeland. Aber die beruflichen Perspektiven hier waren viel spannender, alles entwickelt sich, strebt aufwärts. Das habe ich als Chance gesehen“, erzählt er. Vor allem Textilindustrie und Tourismus bringen Phnom Penh heute Devisen. Als 1991 Uno-Truppen in das kriegszerstörte Land einzogen, folgte ihnen eine ganze Armada internationaler Hilfsorganisationen, die seither für einen nicht unerheblichen Teil des kambodschanischen Staatshaushalts aufkommen. Der amerikanische Dollar ist heute als Währung genauso üblich wie der kambodschanische Riel. Lauszat sieht diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen.

Einerseits lobt er die hervorragende internationale Restaurantszene sowie das Nachtleben, andererseits ist er nicht wirklich erfreut, dass demnächst eine amerikanische Fast-Food-Kette ihren ersten Ableger in Phnom Penh eröffnen will.

„Man kann hier gut leben, auch wenn man auf manchen Sport oder internationales Kino verzichten muss“, sagt der Junggeselle, dessen zweigeschossige Wohnung mit kunstvollen seidenen Wandbehängen geschmückt ist. Er schätzt jedoch, dass er sich eine Putzfrau und einen Fahrer leisten kann, der auch mal Behördengänge übernimmt – ein Luxus, der in Deutschland unerschwinglich wäre. „Die Leute hier sind ehrlich und freundlich, manchmal fast liebenswürdig unbedarft, obwohl der Grad der Professionalität in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Doch bislang hat sich Phnom Penh seinen eigenen Charme noch bewahrt.“

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