Ortswechsel
Das Land der ruhigen Kinder

Ägypter lassen sich nicht aus der Ruhe bringen: Trotz Lärm, Hektik und Hitze schreien ägyptische Kinder viel seltener als deutsche – und auch die Erwachsenen sind gelassener. Aber nicht nur das hat Tina Lieber in Kairo überrascht. Ein Leben in der Metropole am Nil.

Eine Vorlesung an der staatlichen Uni in Kairo hat Liebers Bild von den ägyptischen Frauen grundlegend verändert. Eine komplett verschleierte Studentin, deren Augen nur durch einen Schlitz zu sehen waren, hat sich mit einem Professor angelegt und ihm gründlich die Meinung gesagt. „Früher dachte ich, solche Frauen wären vor lauter Unterdrückung schüchtern“, gesteht Lieber.

Nach ihrem Auslandssemester in der ägyptischen Hauptstadt hat die 22-Jährige das chaotische Leben am Nil vermisst. Nachdem sie ihren Abschluss in Internationalen Beziehungen in der Tasche hatte, ging sie wieder nach Kairo und betreut jetzt Umweltprojekte für die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, eine Organisation für Entwicklungshilfe. Manchmal ärgert sie sich über die „Das-mache-ich-morgen-Mentalität“ der Ägypter, für die ein gut klingender Posten wichtiger ist als die eigene Leistung. Wenn sie Kritik loswerden will, muss sie „ordentlich Zucker draufstreuen“. Daher hat sie am Anfang die an sie gerichtete Kritik gar nicht verstanden. Die Herzlichkeit der Ägypter hat ihr geholfen, sich einzuleben. Eltern nehmen überall ihre Kinder mit und Lieber kriegt im Café auch mal einen fremden Sprössling auf den Schoß gesetzt, wenn sie ihn nur nett anlächelt. „Die Kinder schreien hier viel seltener als in Deutschland“, wundert sie sich. „Und das bei dieser Hitze und dem Verkehrslärm.“

Das stört die Ägypter nicht, denn sie stehen lieber eine Stunde im Stau als zu Fuß zu gehen. Keiner versteht, warum Lieber kein Auto hat und manchmal die U-Bahn nimmt. Dort achten Wächter darauf, dass Männer und Frauen in getrennten Waggons fahren. Die Damen sollen sich nicht belästigt fühlen und auch ihr Leben nicht riskieren: Der Frauenbereich ist jetzt in der Mitte und nicht am Ende des Zuges wie früher, damit die Frauen bei Aufprallunfällen besser geschützt sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%