Ortswechsel
Leben und Arbeiten in Nowosibirsk

Das Thermometer unter 40 Grad Minus, Schneeberge türmen sich ein halbes Jahr am Straßenrand. Nowosibirsk, die Stadt am Ob, ist Sibirien pur. Für viele deutsche Unternehmer ist Nowosibirsk, die etwas andere russische Stadt, zum festen Standort geworden. Was Sie an der Metropole in Sibirien schätzen.

Stadt mit Subkultur. Norbert Schott, 29, leitet seit vier Jahren die sibirische Filiale des Schweizer Softwareunternehmens Xiag. Mittlerweile liebt er sogar den kalten Winter.

Vor ein paar Jahren hätte Norbert Schott nicht im Traum daran gedacht, dass er einmal dauerhaft in Sibirien landen würde. Ein Auslandssemester in Moskau wollte er machen, die russische Sprache lernen und danach zurück nach Deutschland. Doch dann kam alles anders: Beim Skifahren in Nowosibirsk, wohin ihn ein Wochenendtrip verschlagen hatte, lernte er eine angehende russische Architektin kennen. Er schloss sein Studium in Sibirien ab, fand als Verkehrsingenieur praktisch sofort Arbeit bei einem ausländischen Unternehmen und heiratete seine Freundin in eben jenem Skigebiet, in dem sie sich kennen gelernt hatten.

Nowosibirsk, meint Schott, sei nicht so „typisch russisch“ wie andere Großstädte im Land: „Hier kann es auch mal vorkommen, dass dir ein Punk über den Weg läuft.“ Es gebe eine Art Subkultur und außerdem „passiert hier kulturell sehr viel“. An freien Abenden kann sich der 29-Jährige überlegen, ob er lieber in die Oper, die Operette, das Theater oder doch eher ins Programmkino gehen möchte. „Diese Vielfalt macht Nowosibirsk sehr lebenswert.“ Ein schmales Kulturprogramm wie überall sonst in Sibirien wäre dem Ingenieur auf Dauer zu wenig. Als Schott im Jahr 2000 mit der Transsibirischen Eisenbahn erstmals nach Nowosibirsk kam, fielen ihm die üppigen Grünflächen in der Stadt auf. Doch die sind inzwischen überwiegend der Bauwut zum Opfer gefallen: An allen Ecken und Enden schießen Einkaufszentren, Autohäuser oder Bürogebäude in die Höhe. Was Schott dagegen fehlt, ist alte Bausubstanz wie in seiner Heimatstadt Dresden. Doch in der 115 Jahre alten Industriestadt dominieren eher die hässlichen Stalinbauten das Stadtbild.

Mit dem kalten Winter hatte Norbert Schott noch nie Probleme. Im Gegenteil: „Mir gefällt der sibirische Winter viel besser als der deutsche, denn hier fällt über Weihnachten garantiert Schnee.“ Manchmal fährt er sogar bei Minus 20 Grad mit dem Fahrrad durch die Stadt. Und im Mai genießt er es, wenn er im T-Shirt auf dem Eis des Nowosibirsker Stausees spazieren gehen kann.

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