Ortswechsel
Leben und Arbeiten in Wuhan

Die zehn-Millionen-Stadt Wuhan im Zentrum des Landes ist China pur. Wer hier nach westlicher Kultur sucht, ist fehl am Platz. Die DAAD-Lektorin Judith Poppitz liebt dieses ursprüngliche Alltagsleben. Sie lebt auf einem idyllischen Campus zwischen Wald und See. Der Klavierbauer Dirk Flügge hingegen flüchtet regelmäßig vor der Monotonie der Provinz-Hauptstadt.

Nie ohne Schuhe!“ In diesem Punkt bleibt Judith Poppitz in ihrer Wohnung völlig unasiatisch. Allzu oft wäre die 34-jährige Lektorin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes fast auf einen der giftigen Tausendfüßler getreten, die in der dampfenden Hitze des Feuertopfs Wuhan prächtig gedeihen. Versetzte sie der Anblick anfangs in Panik, so fängt sie das Insekt heute mit asiatischer Gelassenheit, um es an der Rezeption abzugeben, die damit Apotheken beliefert.

Seit 2004 lebt Judith Poppitz aus Horb am Neckar in der Hauptstadt der Provinz Hubei mit ihren 880 Seen. Zu den 8,6 Millionen Einwohnern Wuhans kommen über eine Million Wanderarbeiter hinzu. Der Hubei-Dialekt klingt in den Ohren der übrigen Chinesen ordinär und unfreundlich – eigentlich kein besonders anziehender Ort. Für Judith Poppitz aber ein kleines Paradies.

Als DAAD-Lektorin hätte sie Peking oder Schanghai wählen können. Doch die Sinologin war auf der Suche nach dem ursprünglichen China. Sie fand es am Zusammenfluss des Jangtse und des Han-Flusses, wo sich 1927 die Orte Wuchang, Hankou und Hanyang zur Stadt Wuhan zusammen schlossen. Poppitz lebt auf dem Campus der Wuhan-Universität im ruhigeren Wuchang unweit der Provinzregierung. Busse fahren die 50 000 Studenten über den Campus. Hinter Poppitz’ Drei-Zimmer-Wohnung beginnt der bewaldete Luojia Berg. Ihr chinesischer Freund betreibt eine französische Bäckerei in Hanyang.

Für die 40 Kilometer dorthin braucht sie 90 Minuten, zumal sie über den Fluss muss. Das Verkehrschaos wird sich lichten, hoffen die Menschen, wenn erst der Tunnel unter dem Fluss eröffnet, spätestens aber 2010, wenn die U-Bahn fertig ist. Obwohl es keine traditionellen Hofhäuser gibt, findet Poppitz bei ihren Spaziergängen durch die Stadt das, was sie sucht: das halb-private Straßenleben. Menschen, die sich auf dem Gehsteig die Zähne putzen. Alte, die Mahjong spielen. Wenn sie dann noch in einem Jangtse-Restaurant „Tian la xia“ – Fondue mit scharfen Krabben – bekommt, weiß sie, dass sie auch nach 2009, wenn ihr Vertrag ausläuft, bleiben wird.

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