Ortswechsel
Leben und arbeiten in Zürich

Zürich, die größte Stadt der Schweiz, ist nicht nur Zentrum des Geldes, sondern auch der Wissenschaft und bietet obendrein auch noch eine hohe Lebensqualität. Diplom-Architekt Arno Schlüter findet hier weniger Ellbogenmentalität und Banker Tassilo Kroiß fragt sich, ob aus dem vorübergehenden Job nicht eine Lebensperspektive werden könnte.

Ort der Spitzenforschung.

Zürich ist nicht nur das Zentrum des Geldes, sondern auch der bedeutendste Wissenschaftsstandort der Schweiz. Mit der ETH Zürich beheimatet die 380 000-Einwohner-Stadt die wohl beste Technische Hochschule Europas. Das ist auch der Grund, warum Diplom-Architekt Arno Schlüter, 34, 2004 in die Stadt an der Limmat gekommen ist: "Bei Computer Aided Architectural Design gehört die ETH zu den Besten", sagt Schlüter, der hier promoviert und Assistent ist. "Die ETH bietet ein Umfeld, das das Arbeiten sehr angenehm macht, von ausgezeichneter Infrastruktur über umfangreiche Bibliotheken bis hin zum Sportangebot." Nur 14 000 Studenten hat die ETH, über 350 Professoren und fast 3 000 Doktoranden. Schlüter: "Die Bezahlung ist sehr gut." Die Vorteile sind aber auch immaterieller Natur: "Der gute Ruf der ETH ist oft ein Türöffner im Kontakt zu Menschen aus Wissenschaft und Industrie."

Der Deutsche hat die Schweizer schätzen gelernt: "Ich empfinde den Kontakt mit Schweizer Kollegen als sehr angenehm. Es besteht größeres Interesse am sozialen und persönlichen Kontakt, und es herrscht weniger Ellbogenmentalität." Soziale Überraschungen sind trotzdem nicht ausgeschlossen. Schlüter erinnert sich: "In meiner früheren Wohnung gab es einen Waschplan für die gemeinsame Waschmaschine, der es mir nur einmal(!) im Monat erlaubte, die Waschmaschine zu benutzen. Eine eigene Waschmaschine war verboten. Der Effekt dieses Waschplans war ein immenser Sockenvorrat, aber auch gestärkte soziale Kontakte im Haus durch die Bildung von Waschkoalitionen - das waren Vereinbarungen, die Waschtage eines Nachbarn ebenfalls nutzen zu können."

Von solchen Kuriositäten abgesehen, "lebt es sich sehr gut in Zürich. Das Miteinander ist höflicher und sozialer als in Deutschland". Die Vorteile der "kleinen Großstadt" sind offenkundig: "Alles ist gut zu erreichen, der Nahverkehr perfekt. Und trotz der kleinen Größe kann Zürich großstädtisch sein." Eine fast perfekte Welt. Fast. "Seit etwa zwei Jahren wird der Ton gegenüber den sehr zahlreich gewordenen Deutschen lauter. Persönlich habe ich das noch nie zu spüren bekommen, aber in den Medien liest und auf der Straße hört man zunehmend ablehnende Äußerungen."

Banker unter Bankern

Ich habe den Wechsel von Frankfurt nach Zürich nie als Auswandern empfunden", sagt Tassilo Kroiß. Seit 2003 ist der heute 32-jährige Banker im Wealth Management bei Goldman Sachs in Zürich aktiv. Der Titel "Executive Director" ziert seine Visitenkarte; Anleger wie Family Offices und sehr vermögende Privatkunden sind Kunden des Schweizer Teams, für das er arbeitet. "Es ergab sich ganz einfach die Gelegenheit von Goldman Sachs Frankfurt hierher zu wechseln, wo wir mit der Goldman Sachs Bank AG eine eigenständige Bank haben."

Am historischen Münsterhof, zwischen Bahnhofsstraße und Fraumünster, ist das Unternehmen seit 1974 mit einer eigenen, diskreten Niederlassung ansässig, seit 1992 mit eigener Schweizer Banklizenz. Auf beruflicher Ebene sieht der Banker keine großen Unterschiede zwischen den Finanzplätzen. "Ein Schweizer Banker ist von früh an auf Diskretion getrimmt", sagt Kroiß, "und natürlich gibt es hier einen gewissen Stolz auf die lange Tradition der Vermögensanlage. Man ist hier langfristig orientiert. Aber das professionelle Niveau ist in Frankfurt, Zürich oder London identisch." Allenfalls seien in der Schweiz alternative Anlageformen früher verbreitet gewesen.

Aber man sollte die Schweiz eben nicht für eine Art zweites Deutschland halten. "Es ist wichtig, sich auf die Schweiz einzulassen, die Kultur der Schweizer kennenzulernen und natürlich zu respektieren." Das würde mancher Deutsche vergessen und dann manchmal "laut und direkt" erscheinen. Die Sprache ist auch hier der Schlüssel: "Es ist wichtig, Schweizerdeutsch zu verstehen", wobei es durchaus auch auf die Nuancen ankommt "Manchmal werden Witze oder satirische Bemerkungen in Hochdeutsch nicht als solche wahrgenommen, da Hochdeutsch eher offiziellen Charakter hat."

Mittlerweile stellt sich auch für Kroiß die Frage des dauerhaften Bleibens. "Wenn Sie von der deutschen Rentenversicherung einen Brief bekommen, dass Sie schon seit Jahren keine Beiträge mehr bezahlt haben und sich die Unterschiede der Sozialversicherungssysteme vor Augen führen, müssen Sie sich das schon überlegen." Nicht einfach: "Wenn ich aus dem Fenster auf den Zürichsee schaue oder an die Berge vor der Tür denke, dann hat das schon eine sehr hohe Lebensqualität."

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