Personalberatung
Er kam, unterschrieb – und blieb weg

Headhunter erleben, dass die Sitten im Rekrutierungsgeschäft rauer werden: Qualifizierte Kandidaten verhandeln mit mehreren Personalberatern gleichzeitig, unterschreiben sogar mehrere Verträge - und lassen bis auf den bestdotierten alle sausen. Ein Spiel mit dem Feuer.

DÜSSELDORF. Patrick Freiherr von Pfetten-Arnbach ist sauer. Gerade ist der Headhunter zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen von einem Kandidaten geprellt worden. Schon einige Zeit hat sich das Pokern von Kandidat Matthias S. (Name geändert) mit der Privatbank hingezogen: Mehr Fixum, ein höherer garantierter Bonus. Die Bank hat ihr Angebot schon kräftig erhöht.

Jetzt stellt sich heraus, dass Vertriebsmanager S. schon bei einer anderen Bank unterschrieben hat, zugleich aber auch noch mit seinem derzeitigen Arbeitgeber um bessere Konditionen verhandelte. Kurz: Matthias S. hat zwei Eisen vertraglich gesichert im Feuer und wollte sich auch noch das dritte holen.

Auch Peter Behncke, Partner bei der Personalberatung Whitehead Mann in Frankfurt, erlebte jüngst einen ähnlichen Fall. Durch Zufall erfuhr er von Branchenkollegen, dass sein Top-Kandidat für den Managerposten in einem Industrieunternehmen, den er am nächsten Tag präsentieren wollte, kurz zuvor bereits bei einer anderen Firma unterschrieben hatte. Darauf angesprochen, stotterte der Kandidat verlegen etwas von „sich absichern“.

Dass Arbeitnehmer sich im Markt präsentieren, mehrere Vertragsangebote gleichzeitig annehmen und die dazugehörigen Verträge unterschreiben, das hat es früher auch schon gegeben im Rekrutierungsgeschäft. Doch mit dem Anziehen der Konjunktur und dem wiedererstarkten Wettbewerb um die qualifizierten Kandidaten ist dieses Phänomen nach Ansicht etlicher Headhunter wieder häufiger zu beobachten. Das stellt auch Rechtsanwalt Siegfried Fröhlich aus Partenheim bei Mainz fest. Fröhlich, der selbst vor einigen Jahren als Headhunter gearbeitet hat, ist noch nie so häufig von ehemaligen Kollegen wegen solcher Fälle um Rat gefragt worden wie im vergangenen Jahr, erzählt er.

„Ehrenrührig“ findet Personalberater Pfetten das Verhalten der Kandidaten, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen mehrere Parteien gegeneinander ausspielen. Das geht weit über das übliche Pokern hinaus und verletzt die Spielregeln im Markt. Nun hat die Headhunterbranche ja selbst nicht gerade den Ruf, die Moral gepachtet zu haben. Aber, so Rechtsanwalt Fröhlich, das sei eben nicht mehr nur Frage der Ehre – mit einem solchen Verhalten riskierten die Kandidaten letztlich sogar selbst saftige Schadensersatzzahlungen.

„In der Regel hat der Arbeitgeber Anspruch auf Leistungserfüllung, dass heißt der Kandidat muss seinen Job antreten“, erklärt Jurist Fröhlich. Tut er das nicht, könne der geprellte Arbeitgeber auf Schadensersatz klagen. Aber weil das mühsam ist, Zeit kostet und den Unternehmen zudem unangenehm ist, verzichten sie in der Regel drauf. Das berichtet auch Ralf Freiherr von Ziegesar, Geschäftsführer des Onlinebrokers Fimatex in Frankfurt. Bei ihm floppte im vergangenen Jahr ein dringend gebrauchter Vertriebsdirektor. Der hatte seinen Job zwar angetreten, brachte aber auffällig wenig Einsatz und wechselte schon nach kurzer Zeit in ein anderes Finanzhaus. „Wir waren für den Kandidaten eigentlich nur eine Art Parkstation“, glaubt von Ziegesar im Nachhinein. In einem solchen Fall Juristen zu bemühen macht wenig Sinn, denn der Kandidat war rechtlich wenig angreifbar.

Der Headhunter klagt übrigens nicht unbedingt sein Honorar beim Unternehmen ein, wenn der vermittelte Kandidat seinen Job nicht antritt. Selbst dann nicht, wenn ihm das Geld vertraglich zusteht. So etwas stört die Geschäftsbeziehungen. Also wird der Fall häufig so gelöst wie im Falle von Pfetten: Der Headhunter verzichtet auf das Honorar für den erfolgreich vermittelten Kandidaten, der letztlich nicht kam, und sucht einen neuen.

Für die Kandidaten ist das Ganze dennoch riskant: Wer auffliegt, ist verbrannt, die Branche ist klein. „Wenn die Nachfrage der Unternehmen wieder nachlässt, sind das die Ersten, die aus dem Rennen sind“, ist Fimatex-Geschäftsführer Ralf Freiherr von Ziegesar überzeugt.

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