Pikante Details über Jobbewerber
Nach Leichen im Keller googeln

Vor allem in den USA suchen immer mehr Personalchefs im Netz nach Details über Jobanwärter – und erleben oft Überraschungen. Längst verdrängte Internetaktivitäten können manchen Bewerber so um das ersehnte Vorstellungsgespräch bringen.

LOS ANGELES. Für Maja Skipp war es bereits die vierte Absage in einer Woche. Dabei war die 29-Jährige zumindest für die ausgeschriebene Stelle bei der großen Werbeagentur im kalifornischen Santa Monica eigentlich die perfekte Kandidatin. Uni-Abschluss, deutsche und englische Sprachkenntnisse, Erfahrung im Marketing – lauteten die Voraussetzungen. „Ich habe alle 100-prozentig erfüllt“, wunderte sich Skipp. Auch Zeugnisse und Referenzen waren in Ordnung. Sie verstand die Welt nicht mehr.

Am Telefon druckste der freundliche Personalchef zunächst ein bisschen herum. Als die gebürtige Wienerin insistierte, wurde er deutlich: „Ich habe Ihren Namen im Internet gegoogelt, und dabei bin ich auf recht merkwürdige Blogs gestoßen. Deshalb habe ich lieber andere Kandidaten eingeladen.“ Skipp war wie vom Donner gerührt. Ihre Internet-Vergangenheit war es, die der begeisterten Surferin Maja Skipp jetzt den lukrativen Job kostete. Als Studentin hatte Skipp ein persönliches Tagebuch, ein so genanntes Blog, ins Internet gestellt. Damals schien es eine witzige Idee. So konnte die Wienerin ihre Freunde rund um den Globus über persönliche Erlebnisse auf dem Laufenden halten. Leider waren in diesem Blog auch Fotos, die Skipp bei einer College-Fete zeigten: ein Bierglas schwenkend in zweideutigen Posen – eine Jugendsünde. Doch so etwas nehmen gerade US-Firmen manchmal sehr ernst.

So wie der Werbeexpertin geht es mittlerweile vielen in den USA. Eine Studie der Internetplattform Info-Space ergab, dass mittlerweile 23 Prozent aller Internet-Surfer in Unternehmen die Suchmaschine Google nutzen, um Informationen über alle möglichen Leute herauszufinden: Mitarbeiter, Klienten, Geschäftspartner oder eben Stellenbewerber. Fast 80 Prozent aller befragten Personalchefs antworteten, dass sie das Internet als Instrument für so genannte Background-Checks nutzen. Waren es bisher Referenzen, Zeugnisse und Berufserfahrung, die Personalchefs genügten, um sich ein Bild vom potenziellen neuen Kollegen zu machen, so hat das Internet ganz neue Türen zur Informationsbeschaffung geöffnet.

„Keine Frage – das Internet hilft uns ungemein bei der Auswahl von geeignetem Personal“, bestätigt ein Mircosoft-Manager, der lieber ungenannt bleiben möchte. Ausgerechnet Microsoft, jene Firma, die das Blogging schon seit Jahren promotet, bringt seine Mitarbeiter immer öfter ob ihrer außerdienstlichen Internet-Aktivitäten in Schwierigkeiten. Cameron Reilly zum Beispiel gab seinen Job bei Microsoft auf. Er hatte in seinem persönlichem Blog – von dem er Microsoft vor Vertragsunterzeichnung erzählt hatte – dies geschrieben: „Microsoft hatte einst großartige Produkte und nur mittelmäßiges Marketing, heute allerdings nur noch mittelmäßige Produkte und sehr gutes Marketing.“ Der Australier stritt sich einige Wochen mit dem Personalchef, weil dieser ihn aufforderte, den Kommentar aus seinem Internet-Tagebuch zu streichen. Daraufhin quittierte Reilly den Job und gründete seine eigene Firma.

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