Plädoyer für mehr Konkurrenz unter den Hochschulen
Weltenbummler im Hörsaal

Studentenleben in Deutschland: Jobben, Büffeln, Auslandspläne schmieden.

DÜSSELDORF. Es war katastrophal“, sagt Liv Weingartz und schüttelt den Kopf, wenn sie an ihr erstes Uni-Jahr zurückdenkt. Das verbrachte die Jurastudentin in Erlangen, wo sich die Professoren „keine Mühe gegeben haben, uns was beizubringen“. Dabei hatte die junge Frau überhaupt nicht nach Erlangen gewollt. Dass sie trotzdem dorthin musste, verdankte sie der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS); diese nahm keine Rücksicht auf die individuellen Vorstellungen der jungen Frau. Inzwischen studiert die angehende Juristin an ihrem Wunschort Düsseldorf – und plädiert für mehr Konkurrenz zwischen den Hochschulen: „Es wäre besser, wenn sich jeder direkt bei der Uni seiner Wahl bewerben könnte.“

In einer Zeit, in der Bildungspolitiker über faule Studenten im 25. Semester schimpfen und immer mehr Länder eine Gebühr für „Bummler“ einführen wirkt Liv wie ein Unikat. Mit 20 Jahren dürfte sie an der Uni die jüngste Studentin im sechsten Semester sein. Ihr Abitur hat sie schon mit 17 gemacht – an einer internationalen Schule in der Türkei. Ihr Vater ist Banker und wurde oft versetzt. Deshalb ist sie viel herumgekommen in der Welt. Drei Jahre Connecticut, fünf Jahre Istanbul. Heute spricht sie Englisch besser als Deutsch, außerdem Türkisch und Französisch. Später möchte sie selbst im Ausland arbeiten. Am liebsten in der Wirtschaft, als Unternehmensberaterin oder Anwältin eines international agierenden Unternehmens. Bis dahin bessert die ehrgeizige Frau ihr Konto in einer Anwaltskanzlei auf. Wenn ausländische Klienten Rechtsbeistand suchen, unterstützt sie ihre Chefs als Dolmetscherin – für zwölf Euro die Stunde.

Wie Liv verdienen sich zwei Drittel der deutschen Studierenden etwas Geld dazu. So stehen hinter der „Faulheit“ von Langzeitstudenten oft ein oder mehrere Jobs, die es neben Vorlesungen zu erledigen gilt. Denn das Studentenleben ist nicht billig: Nach Erhebungen des Deutschen Studentenwerkes fallen in den alten Bundesländern durchschnittlich 662 Euro jeden Monat für Essen, Miete, Kleidung und Freizeitaktivitäten an. In den neuen Bundesländern lebt es sich mit durchschnittlich 540 Euro günstiger.

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