Potenzial auf Abfindungszahlungen sinkt gegen Null
Firma pleite - Manager hat schlechte Karten

Für Harald B. hatte alles so gut begonnen. Zuerst wurde er als Prokurist einer mittelständischen Maschinenfabrik, in der er sich über Jahre hochgedient hatte, von einem Headhunter abgeworben. Der neue Arbeitgeber bot ihm für die gleiche Position nicht nur das doppelte Gehalt - auch beim Dienstwagen ging die PS-Zahl steil nach oben.

HB GARMISCH. Und mit der langen Kündigungsfrist von sechs Monaten zum Quartalsende wähnte er sich auf der sicheren Seite. Doch schon ein Jahr später platzte der Karrieretraum - mit einem Schreiben des Insolvenzverwalters. Harald B. wurde gekündigt. Mit einer Frist von nur drei Monaten.

Die Insolvenzeröffnung - in diesem Jahr in zehntausenden von Betrieben bittere Realität, versetzt nicht nur die normalen Arbeitnehmer in Angst und Schrecken. Auch in den Chefetagen grassiert die pure Existenzangst. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Arbeitgebers führt zwar nicht automatisch zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Der Insolvenzverwalter, der in die Rechtsposition des Arbeitgebers eintritt, hat allerdings das Recht zur ordentlichen Kündigung mit einer Frist von drei Monaten.

Was das für leitende Mitarbeiter bedeutet, beschreibt Arbeitsrechtsexpertin Antje Burmester aus dem Kölner Büro der Sozietät Ulrich Weber & Partner: "Diese verkürzte dreimonatige Kündigungsfrist setzt sich gegenüber sämtlichen längeren Kündigungsfristen, Befristungen und Unkündbarkeitsregelungen durch - ganz gleich, ob diese auf Gesetz, Tarifvertrag oder Einzelarbeitsvertrag beruhen."

Und Anwältin Burmester kennt noch einen weiteren eklatanten Nachteil für Führungskräfte: "Der Leitende verliert nicht nur den Komfort einer langen Kündigungsfrist, sondern auch das Potenzial, Ausstiegsregelungen gegen Abfindungszahlungen zu vereinbaren". Einziges Trostpflaster: "Wer als Führungskraft nicht abwarten will, ob sich ein Erwerber findet, der das Unternehmen fortführt, kann seinerseits vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen", sagt Anwalt Thomas Müller-Bonanni von Freshfields Bruckhaus Deringer in Düsseldorf.

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