Powerpoint-Präsentationen
Folienschlacht mit Zischgeräusch

Haben Sie Powerpoint – oder etwas zu sagen? Wenn es nach dem US-amerikanischen Wissenschaftler Clifford Stoll geht, ist das Präsentationsprogramm von Microsoft „die Wahl der Feiglinge“. Warum der Redner über den Präsentationserfolg entscheidet und nicht die Charts.

Clifford Stoll ist ein ruhiger Mensch. Doch wenn es um Powerpoint geht, wird der 58-jährige US-Wissenschaftler rabiat: „Sie kennen Powerpoint nicht? Dann stellen Sie sich einen langweiligen Diavortrag vor und denken sich einen Haufen bedeutungsloser akustischer und optischer Effekte dazu.

„Powerpoint ist der Feind jedes guten Vortrags“, wettert der Amerikaner über das Microsoft–Produkt. Das 1988 zur bildlichen Unterstützung von Vorträgen auf den Markt gebrachte Computerprogramm benutzen heute pro Tag schätzungsweise 400 Millionen Menschen weltweit. Astronom Stoll, Miterfinder des Arpanets, dem Vorläufer des Internets, leidet wie inzwischen so viele unter dem gedankenlosen Technikeinsatz bei Präsentationen.

Gerade Unternehmensberater gelten als besonderes abhängig – wie viele Consultants wären schlichtweg aufgeschmissen, wenn man ihnen den Computer und den Beamer wegnehmen und sie auffordern würde, mit eigenen Worten ihre Gedanken vorzutragen? Häufig überreichen sie Zuhörern Kopien ihrer mit Powerpoint erstellten Folien schon im Voraus. Während der Präsentation überfliegt das Publikum allenfalls die Texte – aber kaum einer achtet mehr auf die Worte des Vortragenden. Für Clifford Stoll steht daher fest: „Powerpoint ist die Wahl der Feiglinge“.

Feiglinge deshalb, weil sich die Powerpoint-Jünger hinter einem Haufen von Folien verstecken anstatt zu überlegen: Was ist das Ziel meines Vortrags? Was ist meine Botschaft? Und wie baue ich meine Rede auf, um diese eingängig zu vermitteln? Und so werfen die meisten Präsentatoren sich und ihr Publikum mit Powerpoint zurück in die Zeiten der „Betonpädagogik“ und des einfallslosen Frontalunterrichts für Erwachsene. Auch elegante Überblendungen, zischend auftauchende Buchstaben oder Strichmännchen können über diesen Missstand nicht hinwegtäuschen.

Wie sehr die Worte zählen und nicht die bunten Folien, das erfuhr etwa die US-Regierung vor dem Irak-Krieg. Der damalige Außenminister Colin Powell hatte sich bestens vorbereitet: Seine Multimedia-Präsentation über irakische Bunker und Massenvernichtungswaffen war technisch perfekt, doch danach waren im Rest der Welt die Zweifel an der US-Strategie nicht kleiner, sondern noch größer geworden.

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