Prämien für Investmentbanker
Bescherung an der Wall Street

Weihnachtszeit ist Bonuszeit an der Wall Street – und dieses Jahr fällt die Bescherung großzügiger aus. Auch die meisten deutschen Banken am New Yorker Finanzplatz dürften ihre Ausschüttungen nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr erhöhen.

HB NEW YORK. Nach inoffiziellen Schätzungen von Bankern und Analysten werden sie dieses Jahr um zehn bis fünfzehn Prozent steigen. „Die Erwartungen bewegen sich in dieser Größenordnung“, sagt Rainer Kirchgässner, Investmentbanker bei der Deutschen Bank in New York. Die Entscheidungen über die Jahresschluss-Prämien fallen in diesen Tagen. „Die Beurteilungen für jeden Mitarbeiter sind geschrieben, die Höhe der Gesamttöpfe steht oft schon fest; jetzt beginnt das große Schachern“, sagt ein anderer Banker in New York.

Die Vergütungsberatung Johnson Associates schätzt, dass klassische Investmentbanker dieses Jahr um 25 Prozent höhere Prämien mit nach Hause nehmen. Johnson hat die die Entlohnung bei zehn prominenten Adressen im Investmentbanking untersucht. Neben US-Häusern wie Morgan Stanley, Goldman Sachs, JP Morgan und Citigroup zählen dazu die Deutsche Bank und die Schweizer UBS. Die Boni für Aktien- und Anleihehändler werden laut Johnson Associates nur gedämpft steigen – um fünf bis zehn Prozent. Damit zeichnet sich ab, dass die Investmentbanker im Verteilungskampf mit den Händlern aufholen. Im vergangenen Jahr mussten die Händler ihre Kollegen im Investmentbanking subventionieren. Denn in den riesigen Handelssälen der Wall-Street-Häuser liefen die Telefondrähte heiß, während die feinen Investmentbanker in den oberen Etagen der Banktürme wegen der Flaute bei Börsengängen und Übernahmen wenig zu tun hatten. Doch dieses Jahr erholte sich das Investmentbanking-Geschäft in den USA, der Wertpapierhandel legte indes nur mäßig zu. In Europa enttäuschte das Jahr 2004 jedoch die hohen Erwartungen, die das starke erste Quartal geweckt hatte. Die Londoner Personalberatung Armstrong International erwartet daher, dass die Boni auf dem alten Kontinent nur um null bis fünf Prozent steigen.

In den USA lief auch das klassische Kreditgeschäft sehr gut. Hier haben die meisten US-Töchter deutscher Banken ihren Schwerpunkt. „Wir werden erneut ein sehr gutes Ergebnis erzielen“, sagt zum Beispiel Joachim Döpp, Chef der Nordamerika-Niederlassung der Commerzbank, in der das klassische Firmenkundengeschäft zusammengefasst ist. Das schlage sich in den Boni nieder. Branchenweit erwartet die Vergütungsberatung Johnson Associates, dass Banker im Privatkunden- und Firmenkreditgeschäft zehn bis fünf Prozent höhere Boni erhalten. Ein Banker der Bayerischen Landesbank geht ebenfalls voll freudiger Erwartung in die Vorweihnachtszeit. „Die Zentrale in München weiß, dass wir hier gute Erträge erzielen, und das sollte sich in den Prämien niederschlagen“, sagt er. Die US-Töchter deutscher Banken profitieren von stark gesunkenen Wertberichtigungen und Kreditausfällen. Damit unterscheidet 2004 sich wohltuend von den Vorjahren, als einige Häuser, darunter auch die BayernLB, wegen spektakulärer US-Pleitefälle hohe Ausfälle verkraften mussten.

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