Präsenz zeigen
Wer im Home-Office sitzt, macht keine Karriere

Warum nicht einen Teil seines Jobs von zu Hause aus erledigen, anstatt sich an mindestens fünf Tagen in der Woche durch den Stau zu quälen? Theoretisch unterstützen auch Arbeitgeber diese Idee. Doch zu Hause arbeiten ist heikel. Im Karrierekarussell wird nur der berücksichtigt, der Präsenz in der Firma zeigt.

DÜSSELDORF. Die Straßen sind verstopft und Bürofläche teuer. Schnelle Datenleitungen dagegen billig und überall verfügbar. Was liegt da näher, als zumindest einen Teil seines Jobs von zu Hause aus zu erledigen, anstatt sich an mindestens fünf Tagen in der Woche durch den Stau zu quälen. Theoretisch unterstützen auch Arbeitgeber diese Idee. Kaum ein Unternehmen, das sich nicht auf seiner Website oder in Pressemeldungen für ein entspanntes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben stark macht – meist unter dem griffigen Label „Work-Life-Balance.“

Doch in der Praxis wird die Alternative zum Büroalltag gerade von Führungskräften kaum genutzt. Warum das so ist, förderte eine Studie des internationalen Personalberatungsunternehmens Korn/Ferry zu Tage: 61 Prozent von 1 320 befragten Führungskräften weltweit urteilen, dass Telearbeiter schlechtere Karrierechancen haben als jene Kollegen, die ständig im Unternehmen präsent sind.

Brisant ist dieses Ergebnis vor allem vor dem Hintergrund der eigenen Wünsche der Befragten: 77 Prozent sagten, dass sie es sich „definitiv“ oder „eventuell“ vorstellen könnten, teilweise zu Hause für ihre Firma zu arbeiten. Nur ein Prozent schloss diese Möglichkeit für sich kategorisch aus. Und: 78 Prozent der Führungskräfte glauben, dass Telearbeiter ebenso produktiv – wenn nicht sogar produktiver – sind als die Kollegen vor Ort.

Peter Behncke, Partner bei Korn/Ferry in Frankfurt, erläutert dieses Ergebnis: „Ein funktionierendes Netzwerk ist der Karrieremotor Nummer eins. Also gilt es, Vertrauen aufzubauen, und das funktioniert eben nur über das persönliche Gespräch. Hinzu kommt, dass ein gemeinsames Mittagessen oder das gelegentliche Bier nach der Arbeit den Zusammenhalt noch weiter fördert.“

US-Heimarbeiter Chris Miller* analysiert: „Es kommt eben immer noch mehr darauf an, wen du kennst, und nicht, was du weißt. Und das liegt daran, dass wir im Grunde eben Primaten sind und vor allem jenen vertrauen, mit denen wir ständig gemeinsam unterm Baum sitzen.“

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