Präsident der Freien Universität Berlin will Gehälter mit Professoren frei aushandeln können: Hochschulen äußern scharfe Kritik am neuen Besoldungsrecht

Präsident der Freien Universität Berlin will Gehälter mit Professoren frei aushandeln können
Hochschulen äußern scharfe Kritik am neuen Besoldungsrecht

Das „W“ spielt in der deutschen Sprache eine besondere Rolle. Wer was wann wo macht, diese berühmten „W“-Fragen gehören zur deutschen Sprachkultur.>Seit einigen Jahren hat auch die eher schnöde Behördensprache die Bedeutung des Buchstabens „W“ erkannt und die so genannte „W“-Besoldung eingeführt. In diesem Fall steht das „W“ für Wissenschaft und besoldet werden nicht Soldaten, sondern Professoren.

Bei einem Symposium der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung und der Heinz-Nixdorf-Stiftung haben nun führende Hochschulvertreter das vorzeitige Ende dieser Besoldungsart gefordert.

„Die W-Besoldung ist eine absolute Katastrophe“, sagte etwa Bernd Huber, Professor und Rektor der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. „Sie muss schleunigst abgeschafft werden.“ Und auch sein Berliner Kollege Dieter Lenzen wurde deutlich: „Absurd“, nannte der Präsident der Freien Universität Berlin das neue Besoldungsrecht.

Die „W“-Besoldung gilt seit Januar flächendeckend in allen Bundesländern. Ihr Ziel ist es, Professorinnen und Professoren nach Leistung zu bezahlen. Wer neu in die Lehre berufen wird, bekommt ein Grundgehalt, das unter dem Niveau der früheren „C“-Vergütung liegt. Verdiente ein 43-jähriger Professor in der Vergangenheit auf der Stufe „C4“ rund 5 600 Euro im Monat, sind es nun auf der vergleichbaren Stufe „W3“ rund 900 Euro weniger. Zum Ausgleich kann er individuelle Zahlungen bekommen, die sich an seinen Leistungen in Forschung, Lehre und dem Engagement in Hochschulgremien orientieren.

Eigentlich also ein Modell, das nach mehr Wettbewerb klingt und modernen Anreizsystemen entsprechen müsste. „Der Ansatz ist grundsätzlich richtig. Dieses Modell wird weltweit praktiziert, etwa in den USA oder in Schweden“, sagte denn auch Detlef Müller-Böling, Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh. Problematisch aber sei der „Vergaberahmen“ – ein Begriff, der wie die „W“-Besoldung der Phantasie deutscher Bürokraten entsprungen ist.

Dieser Vergaberahmen, geregelt in einem Bundesgesetz, wirke wie ein starres, unattraktives Korsett, sagen Professoren. Die Besoldungsausgaben werden „gedeckelt“, also mit einer finanziellen Obergrenze versehen.

Die Restriktion soll verhindern, dass die Professorenbesoldung innerhalb eines Bundeslandes exorbitant steigt. Jährlich sind Wachstumsraten bis zu zwei Prozent vorgesehen. In wenigen Ausnahmefällen sind auch Sprünge bis zu zehn Prozent erlaubt. Als Orientierungsmaßstab dient das Niveau von 2001.

Dieter Lenzen findet diesen Spielraum nicht ausreichend. Der Präsident der Freien Universität fürchtet, dass es mit der neuen Gesetzgebung in Zukunft schwieriger wird, Bewerbern auf einen Lehrstuhl finanziell attraktive Angebote zu machen. Er will Gehälter mit Professoren „frei“ aushandeln können – ohne Vergaberahmen und möglichst ohne bürokratischen Aufwand.

Die Verantwortlichen in den Universitäten hoffen nun auf das Jahr 2007. Im Bundesgesetz zur Besoldung der Professoren ist vorgesehen, dass bis dahin die gesamte Regelung noch einmal überprüft werden muss.

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