Privatschulen sind im Kommen
Wie man Kinder auf die Welt vorbereitet

Viele Eltern haben die öffentlichen Schulen satt: zu große Klassen, der Unterricht fällt oft aus, groß sind die Zwänge durch die staatliche Verwaltung. In Berlin haben Mütter und Väter sogar eine eigene Partei gegründet: „Berliner Eltern – die Bildungspartei“ will bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus antreten und für eine bessere Bildungspolitik sorgen.

Vor allem die Privatschulen profitieren von der neuen Bildungsdiskussion, die seit dem Pisa-Schock die Öffentlichkeit und auch viele Familien erfasst hat. Seit fünf Jahren stieg die Zahl der Privatschüler um elf Prozent auf 621 700 an. Die Zahl der Privatschulen nahm in den vergangenen fünf Jahren um 16,6 Prozent zu, von 2 304 auf 2 686 Schulen. 20 Prozent der Eltern würden nach Schätzungen des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen (VDP) ihr Kind gerne auf eine Schule in freier Trägerschaft schicken.

Doch was machen Privatschulen anders und besser als die öffentlichen Schulen? Fragt man die Vertreter von Privatschulen, so tun sie sich mit einer genauen Definition schwer. Denn die Schulen in freier Trägerschaft sind zu vielfältig, um sie auf einen Nenner zu bringen. Was oft als erstes Stichwort fällt, ist die starke Position der Eltern. Sie sind Korrektiv des ausgefeilten pädagogischen Konzepts und tragen mit ihren Vorstellungen zur Qualitätssicherung bei. „Wir sind immer schon stark auf Elternwünsche eingegangen“, erklärt Christian Lucas, Geschäftsführer des VDP. Das Credo vieler Eltern ist dabei denkbar umfassend. „Das Kind soll bestmöglich auf die globalisierte Welt vorbereitet werden.“

Das heißt: Schule soll Leistungen erbringen, die über den Lehrplan, dem auch die Privatschulen verpflichtet sind, hinausgehen. Sprachen und internationale Ausrichtung spielen bei den Elternwünschen eine wichtige Rolle, dazu Kreativität, musische, künstlerische und sportliche Aktivitäten. „Kinder sollen lernen, sich selbstständig Wissen anzueignen“, beschreibt eine Ärztin mit zwei Kindern ihre Erwartungen an die Schule und die Lehrer. Viele Eltern fühlen sich da bei privaten Trägern besser aufgehoben, selbst wenn sie Schulgeld bezahlen müssen.

Auch Wilfried Steinert, Vorsitzender des Bundeselternrats, bescheinigt den Schulen in freier Trägerschaft positive Impulse: „Sie tragen zur pädagogischen Vielfalt bei. Gerade aus den Privatschulen kommen Innovationen.“ Er lobt das Engagement der Eltern, die sich intensiv mit Schulfragen beschäftigen: „Es würde uns freuen, wenn alle Eltern sich so mit der Schule auseinander setzten, auf der sie ihre Kinder schicken wollen.“

Freie Schulen sind meist kleiner und damit überschaubarer. Neue pädagogische Ansätze finden leichter ihren Weg in den Unterricht. So rückt zum Beispiel die Frühförderung von Kindern seit der Pisa-Studie noch mehr in den Fokus.

Bildungsforscher Helmut Klein vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat festgestellt, dass Eltern an den Schulen in freier Trägerschaft vor allem die klare pädagogische Haltung schätzen. Nicht zu vergessen: Der Schulerfolg der Kinder ist größer, mehr schaffen einen Abschluss. „Obwohl es überdurchschnittlich viele private Sonderschulen gibt, ist der Anteil der Schüler, die ohne Abschluss die Schule verlassen, nicht einmal halb so hoch wie an öffentlichen Schulen“, sagt Klein. Zudem gehen Eltern und Privatschulen eine vertragliche Beziehung ein. Als zahlende Kunden könnten sie dann auch eine Leistung einfordern.

Bleibt vor dem Schulbesuch nur die schwierige Auswahl unter den vielen Privatschulen. In Berlin versuchen die Privatschulen seit einiger Zeit mehr Transparenz herzustellen. Sie laden jedes Jahr zum Tag der Freien Schulen ein – da können Eltern dann alle ihre Fragen stellen.

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