Probleme mit der „Hackordnung“
Schlauer, als der Boss erlaubt

Ist ein Mitarbeiter seinem Vorgesetzten überlegen, kann das der Karriere schnell schaden. Schlauer als der Boss, was tun? Eine Frage, die in keinem Manager-Seminar oder Teamtreffen zur Sprache kommt – aus gutem Grund.

LOS ANGELES. Brent Blackman war schon immer ein bisschen schlauer als seine Mitschüler. An der Universität im kalifornischen Berkeley marschierte er ohne Probleme durch das Ingenieurstudium und schloss als einer der Jahrgangsbesten ab. Das Stellenangebot eines großen Stahlunternehmens in Los Angeles flatterte ihm kurz nach seinem Abschlusszeugnis nach Hause. „Ich gebe gerne zu, dass ich bisher im Leben viel Glück gehabt habe“, glaubt der 35-Jährige heute.

Aber seitdem der Kalifornier in der Berufswelt steht, ist ihm seine überdurchschnittliche Intelligenz auch schon mehrmals zum Verhängnis geworden. „Es zahlt sich nicht unbedingt immer aus, schneller denken zu können als andere führende Köpfe im Unternehmen“, hat Blackman inzwischen eingesehen. Vor allem sein Boss – ein hemdsärmeliger Mann, der sich durch zähen Fleiß und Hartnäckigkeit nach oben geboxt hat –, ließ ihn das schon häufiger spüren.

Schlauer als der Boss, was tun? Eine Frage, die in keinem Manager-Seminar oder Teamtreffen zur Sprache kommt. „Aus gutem Grund“, urteilt Judith Sills, Psychologin und Buchautorin aus Philadelphia. „Welcher Boss gibt schon gerne zu, dass sein Zögling mehr drauf hat als er selbst? Jeder Chef will talentierte Angestellte unter sich haben. Aber er will zugleich mögliche Konkurrenz vermeiden.“ Ein Spagat, bei dem meist der Boss bestimmt, welche Richtung eingeschlagen wird. Sills: Es sei denn, der Mitarbeiter spielt ein schlaues strategisches Spiel.

Ein Produktmanager bei Hewlett-Packard wollte seinen neuen Job nicht verlieren. Aber er hatte sich in einigen Projekttreffen mit seiner wirtschaftlichen Brillanz zu weit aus dem Fenster gelehnt – er wurde hoch gelobt auf Vorstandsebene, aber mit Argusaugen beobachtet vom direkten Vorgesetzten. Jetzt wollte sein Boss ihn in die Schranken weisen: Er teilte ihn kurzfristig für weniger wichtige und glanzvolle Dienste im Projekt ein.

„Ein typisches Szenarium“, weiß Dean Simonton, Psychologe der University of California at Davis. Sein Berufskollege Martin Seligman von der University of Pennsylvania ergänzt: „Vorgesetzte sind oft schnell eingeschüchtert von der offensichtlichen Intelligenz ihrer Mitarbeiter.“ Und der Boss macht in solchen Fällen nur allzu oft diesen Fehler, erzählt Seligmann: „Anstatt die Intelligenz für sich zu nutzen, versucht er, den Kollegen möglichst schnell auszugrenzen. Damit er selbst bloß nicht unter Konkurrenzdruck kommt.“

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