Psychische Erkrankungen nehmen zu
Arbeitsausfälle durch Depressionen

Immer mehr Arbeitnehmer leiden unter schweren Depressionen und fehlen krankheitsbedingt am Arbeitsplatz. Seit dem Jahr 2000 sind die Fehltage wegen Depressionen um rund fünf Prozent auf 18 Millionen gestiegen.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Depressive Erkrankungen führen in Deutschland nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) zu immer mehr Arbeitsausfällen. Die Fehlzeiten auf Grund depressiver Störungen seien seit dem Jahr 2000 jährlich um mehr als fünf Prozent gestiegen, heißt es im TK-Gesundheitsreport, den die Krankenkasse am Montag in Berlin vorstellte. Bundesweit beliefen sich solche Arbeitsausfälle im Jahr 2002 auf etwa 18 Millionen Fehltage. Diese psychischen Leiden seien an sich zwar recht selten, führten aber mit durchschnittlich 51 Tagen je Fall zu „ausgesprochen langen Krankschreibungen“, hieß es weiter. Der allgemeine Krankenstand in Deutschland habe sich hingegen nur geringfügig erhöht. Im Durchschnitt fehlten Frauen rund zwei Tage pro Jahr wegen psychischer Probleme.

In Ostdeutschland sei die Häufigkeit der Arbeitsausfälle wegen depressiver Störungen geringer als im Westen. Die Ausfälle häuften sich hingegen vor allem in Hamburg und Berlin. Dort seien allerdings auch insgesamt relativ hohe Krankenstände zu verzeichnen. Verhältnismäßig selten würden Depressionen in Bayern und Baden- Württemberg diagnostiziert, die auch insgesamt relativ geringe Krankenstände aufwiesen. Die wenigsten Ausfälle wegen Depressionen gibt es der TK zufolge in Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Thüringen.

Die höheren Fehlzeiten für Deutschland insgesamt kämen durch gestiegene Fallzahlen bei den depressiven Störungen zu Stande. Dazu zählt die Kasse unter anderem kürzere depressive Reaktionen auf Schicksalsschläge ebenso wie langwierige, schwere Depressionen ohne direkt erkennbaren Auslöser.

Häufigkeit und Dauer von Arbeitsfehlzeiten wegen Depressionen variieren den Angaben zufolge nach dem jeweiligen Ausbildungsstand. Bei Menschen mit Universitäts- oder Hochschulabschluss wurden die niedrigsten Fehlzeiten ermittelt, während Erwerbstätige ohne Berufsausbildung oder Abitur die höchsten Fehlzeiten aufwiesen. In Deutschland gibt es rund 38 Millionen Erwerbstätige.

Längst nicht alle von Depressionen Betroffenen lassen sich krankschreiben, sie lassen sich oft Medikamente verschreiben. Wenn man diese Zahlen betrachte, „verschärft sich die Situation noch“, erklärte Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG), das die Analyse wissenschaftlich begleitet hat. „Mehr als jede zehnte Frau und jeder 20. Mann erhielten innerhalb der letzten drei Jahre mindestens einmal ein Antidepressivum.“

Dabei handelt es sich um eine Hochrechnung der Zahlen, die bei den 2,4 Millionen in der TK versicherten Erwerbspersonen erfasst worden sind. Ähnliche Erfahrungen hat auch die DAK gemacht.

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