Psychologischer Test
Auf der Suche nach den Unbestechlichen

Schaden durch stehlende und betrügende Mitarbeiter kann für Unternehmen existenzbedrohend sein. Doch wie sollen Personalchefs Menschen, die zu unehrlichem Verhalten neigten, rechtzeitig erkennen? Zum Beispiel durch psychologische Tests. Mit denen können Firmen Mitarbeiter mit Neigung zu Diebstahl, Betrug oder Korruption herausfiltern.

DÜSSELDORF. Es ist der Albtraum eines jeden Chefs: Die eigenen Mitarbeiter, denen man vertraut, stehlen, betrügen oder lassen sich bestechen. Egal ob Großunternehmen oder Kleinbetrieb, der Schaden durch unredliche Mitarbeiter kann existenzbedrohend sein. „Ein Tankstellenpächter ist einmal auf uns zugekommen, der durch einen unehrlichen Mitarbeiter rund 40 000 Euro verloren hat“, erzählt Jens Hoffmann von der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie an der TU Darmstadt: „Der Mann ist fast Pleite gegangen.“ Immer wieder sei er von Unternehmen angesprochen worden: Ob man nicht Menschen, die zu unehrlichem Verhalten neigten, rechtzeitig erkennen könne?

Forscher an mehreren deutschen Hochschulen beantworten diese Frage inzwischen mit einem klaren Ja. „Die Neigung zu schädigendem Verhalten am Arbeitsplatz – etwa durch Korruption, Diebstahl und Betrug – ist messbar“, betont Hoffmann. Die Experten gehen davon aus, dass es bei jedem Menschen eine grundlegende psychologische Dimension gibt, die sein Verhalten beeinflusst: die Integrität. Eine Person mit niedrigen Integritätswerten gilt als anfälliger für problematisches Verhalten.

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„Integrität ist ein Merkmal, das erst in den letzten Jahren intensiv erforscht werden konnte“, berichtet Heinz Schuler vom Institut für Sozialwissenschaften der Uni Stuttgart-Hohenheim. Seit den frühen 90er-Jahren befasst sich der Psychologe mit dem Phänomen: „Damals kam das Bundesamt für Verfassungsschutz auf mich zu, weil die Behörde auf der Suche war nach einem Test für Mitarbeiter in sicherheitsrelevanten Bereichen.“ Ziel war es, nach dem Fall der Mauer bislang unentdeckte Ost-Agenten zu enttarnen. Damals musste Schuler passen. Doch die Anregung nahm er auf und machte sich an die Entwicklung eines Tests zum Herausfiltern redlicher und unbestechlicher Mitarbeiter.

Schuler und die Forschergruppe um Hoffmann kamen unabhängig voneinander zu ähnlichen Ergebnissen. Danach ist für Fehlverhalten am Arbeitsplatz nicht einzig und allein die jeweilige Situation verantwortlich. Schuler: „Der Volksmund sagt: Gelegenheit macht Diebe. Ich sage: Die Gelegenheit lässt die Diebe oft nur zum Vorschein kommen.“ Nicht jeder nimmt einen unbewacht daliegenden 100-Euro-Schein vom Schreibtisch des Kollegen, betont auch Hoffmann, selbst wenn er gerade finanziell klamm ist.

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