Quereinsteiger
Großer Sprung

Wer einen aussichtsreichen Job für die Kunst aufgibt, ist ein verrückter Spinner oder ein begeisterter Quereinsteiger. Letzeres kann man von Christoph Noe und Cordelia Steiner ganz sicher sagen. Sie meinen, es lohnt sich, junge, chinesische Künstler zu fördern.

Die gehören nicht hierher. Nicht in die aggressive zeitgenössische Kunstszene. Schon gar nicht nach Peking. Das wusste der Galerist sofort. So spricht man doch nicht über Kunst. So war bisher noch keiner auf ihn zugegangen. „Wir wollen junge chinesische Künstler fördern“, hatten ihm Cordelia Steiner und Christoph Noe in ihrer pragmatischen Art erklärt. „Leider haben wir keine Ahnung davon, wie man Bilder verpackt und verschickt. Können Sie uns helfen?“

Anfangs nahm der seit Jahren in China etablierte Schweizer Galerist Urs Meile die beiden jungen Deutschen nicht ernst. Doch sie ließen nicht locker. Tauchten hartnäckig bei jeder Vernissage in Peking auf, hakten nach und gewannen mit ihrer Mischung aus Naivität und Beharrlichkeit sein Vertrauen. „Sie waren eigenartig und erfrischend anders,“ erinnert sich Meile. Er versorgte die Newcomer mit Adressen von Speditionen und Tipps zum Start in die „knallharte Kunstbranche“.

Eigentlich war Christoph Noe, 31, nicht für eine Kunst- sondern für eine Konzernkarriere prädestiniert. BWL hatte er studiert, mit Einser-Examen abgeschlossen und dann einen guten Start in der elitären Siemens-Inhouse-Beratung SMC hingelegt, Asien- und USA-Erfahrung inklusive. Vor einem Jahr kam dann der Bruch. Noe kündigte den festen Beraterjob und gründete mit seiner Freundin „The Ministry of Art“. Es ist keine Galerie, eher eine Plattform, mit der sie junge, chinesische Künstler im Westen bekannt machen wollen. „Deshalb passt der Name ,Ministerium’ auch so gut zu uns“, sagt Cordelia Steiner, 26.

Die Zeit ist günstig für ihre Geschäftsidee. Zeitgenössische Kunst zählt zum Lifestyle, Werke aus China sind weltweit gefragt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot guter Künstler, bei Auktionen erzielen Chinesen Höchstpreise. Auf diesem Markt wollen Noe und Steiner von ihrem Ministerium aus mitmischen. Es liegt im östlichen Business Viertel Pekings, im 37. Stock des Fortune Plaza Gebäudes. Die Zimmer sind lichtdurchflutet, die Einrichtung ist kühl: weißer Teppich, weiße Sofas, weiße Regale, keine Bilder an den Wänden, eine achtlos hingeworfene Jacke oder stehen gelassene Schuhe findet man nicht. Dass Noe und Steiner hier auch wohnen, erkennt man nicht gleich.

Wenn der Smog nicht die Sicht verklärt, schauen sie von ihren Schreibtischen aus zu, wie sich die Megacity wandelt und auf Olympia 2008 vorbereitet. Sie blicken auf von Bambusgerüsten umhüllte Bürotürme, das wachsende CCTV-Gebäude, gesichtslose Wohnblocks, bunte Wohncontainer für Wanderarbeiter und Automassen auf dem dritten Ring. „Wir sehen, wann es günstig ist, selbst loszufahren“, sagt Steiner. Eins ihrer bevorzugten Ziele: das 30 Stauminuten entfernte hippe Künstlerviertel Dashanzi. Dort knüpfen sie Kontakte für ihr Ministerium.

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