Rentenreform: Ausstieg vor 67

Rentenreform
Ausstieg vor 67

Die Berliner Koalition macht ernst: Die Deutschen sollen länger arbeiten, damit die Rentenkassen nicht kollabieren. Die Rente mit 67 kommt, aber es gibt immer noch Chancen, vorher aus dem Job auszusteigen. Die eleganteste sind Arbeitszeitkonten. Hier die wichtigsten Regeln.
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DÜSSELDORF. Die Möglichkeit zur Altersteilzeit ist von 2010 an gekappt, Vorruhestandsregelungen sind einkassiert und das Renteneintrittsalter erhöht. Zeiten, in denen Konzerne Zigtausende Mitarbeiter im besten Alter staatlich subventioniert aus der Türe komplimentierten, sind Geschichte. Aber eine attraktive Möglichkeit zum vorzeitigen Ausstieg gibt es doch noch, die jetzt in den Mittelpunkt des Interesses rückt: Zeitwertkonten.

Sie funktionieren nach dem Prinzip Sparbuch: Der Mitarbeiter sammelt darauf Zeit in Form von Überstunden und Urlaubstagen oder Geld in Form von Lohnbestandteilen wie Weihnachtsgeld, Boni, Tantiemen. Aus Zeit und Geld wird Freiheit: Das Guthaben wird angelegt und verzinst, aus diesem Topf wird ihm später ein monatliches Gehalt ausgezahlt, während er eine Auszeit (Sabbatical) oder eben den vorgezogenen Ruhestand genießt. Nur eines sollte der Mitarbeiter vorher noch klären: Was bedeutet das für Steuern, Krankenkassenbeiträge und die spätere Rente?

Flexible Arbeitszeiten. Seit 1998 nutzten die ersten Konzerne das "Flexi-Gesetz", das die Arbeitszeitkonten ermöglicht, manche Mittelständler zogen nach. Die Unternehmen haben ein handfestes Interesse daran: Sie können so die Belegschaft je nach Auftragslage einsetzen, eine Alternative zur Altersteilzeit anbieten und gute Leute an sich binden, so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) (siehe Grafiken auf Seite 99). PWC-Projektleiter Michael Bursee sieht die große Zeit der Zeitwertkonten erst noch kommen: "Die Rente mit 67 wird einen Schub geben, einerseits steigt die Nachfrage der Mitarbeiter, andererseits müssen die Firmen ihre Leute wegen dieser staatlichen Vorgabe länger im Betrieb halten, was nicht immer zur Personalplanung passt. Und je mehr in Projekten gearbeitet wird, desto willkommener sind variable Zeiten."

Wie viele Unternehmen heute schon langfristige Zeitkonten führen, lässt sich kaum klären; offizielle Statistiken gibt es nicht. Nach Schätzungen dürften es rund fünf Prozent der Unternehmen sein. Aber die Zahl wird wachsen. Diese drei Optionen sind am häufigsten:

  • Gleitzeitkonten, auf denen Überstunden zum Abfeiern kurzfristig in die nächsten Monate verschoben oder durch die Fehlzeiten ausgeglichen werden.
  • Lebensarbeitszeitkonten, auf denen ausschließlich Arbeitszeit für den Vorruhestand gesammelt wird. So wie bei Volkswagen. Dort nutzen fast alle Mitarbeiter diese Konten zum Verkürzen der Arbeitszeit.
  • Langzeitkonten, auf die Zeit und Geld fließen, die man später nach Gusto nutzen kann - also für eine Auszeit zwischendurch, für Weiterbildungsphasen oder den vorgezogenen Ruhestand. Ein Angebot, das beispielsweise der Mannheimer Energieversorger MVV Energie im vergangenen Jahr startete. Kathrin Geeb, die Zuständige in der Personalabteilung: "Das kommt sehr gut an. Nicht nur der vorzeitige Ruhestand ist gefragt, viele Mitarbeiter wollen die Zeit für ihre Kinder oder die Pflege ihrer Eltern » einsetzen oder sich den Traum einer langen Reise erfüllen."
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