Revolution der Spätaufsteher
Faul, unproduktiv und wenig ehrgeizig

Sie haben sicher nicht den besten Ruf – Morgenmuffel. In Dänemark proben sie jetzt den Aufstand. Rückenwind bekommen sie dabei von Wissenschaftlern, die sich mit der inneren Uhr des Körpers beschäftigen. Dass die Revolution der Arbeitswelt durch Spätaufsteher ausgerechnet von Dänemark ausgeht, wundert Experten nicht.

Im vergangenen Dezember gründete die dänische Ingenieurin Camilla Kring die sogenannte B-Gesellschaft, die für mehr Respekt für Spätaufsteher kämpft. Bereits sechs Monate später hatten sich 4 800 Nachteulen und Langschläfer der Vereinigung angeschlossen. Sie wollen vor allem eins: eine an ihren Rhythmus angepasste Arbeitszeit.

In diesem Herbst will Kring das Onlineportal B-alivejob.de freischalten, in dem Leidensgenossen – erst in Dänemark, später dann weltweit – passende Jobangebote finden sollen. „Lasst die Leute um elf Uhr zur Arbeit und um 20.00 Uhr nach Hause gehen“, fordert die Dänin. In der Arbeitswelt ginge es heute um Kreativität und Innovation. Also sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter möglichst dann arbeiten lassen, wenn sie am kreativsten sind.

Rückenwind bekommt die Langschläferfraktion von Schlafforschern und Chronobiologen, die sich mit der inneren Uhr des Körpers beschäftigen. Wie zum Beispiel Till Roenneberg und Thomas Kantermann vom Zentrum für Chronobiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Die beiden Forscher glauben, dass jeder zweite Deutsche in einer Art Dauer-Jetlag lebt. „Spättypen leiden wegen des frühen Schul- und Arbeitsbeginns unter einem ständigen Schlafmangel“, urteilt Roenneberg: „Wenn sie dem Rhythmus ihrer inneren Uhr entsprechend arbeiten könnten, wären die meisten von ihnen weitaus produktiver.“

Das Brisante an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen: Bei den Betroffenen handelt es sich keinesfalls um eine Randgruppe. Zu den echten Hardcore-Nachteulen, die tatsächlich in der Nacht besser funktionieren als am Tage, zählen zwar nur zehn bis 15 Prozent. Aber die Zahl der echten Frühtypen, die um sieben Uhr bereits topfit sind, rangiert etwa auf demselben niedrigen Niveau. Der Rest der Bevölkerung liegt irgendwo dazwischen, und hinkt im Schnitt zwei Stunden dem gesellschaftlich vorgegebenen Zeittakt hinterher.

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