Schadenersatz und Schmerzensgeld
Prozessieren, bis der Arzt zahlt

Als Michael F. 1995 nach einem Sturz in der Unfallchirurgie des nahe gelegenen Stift Hospitals versorgt worden war, glaubte er sich in guten Händen. Doch der diensthabende Arzt erkannte trotz Röntgenaufnahmen nicht den Bruch des achten Brustwirbelkörpers und diagnostizierte statt dessen eine schlichte Prellung.

KARLSRUHE. Als die stechenden Schmerzen nicht nachließen, ging F. ein paar Wochen später zu einem anderen Arzt - der erkannte den Bruch und versorgte ihn. F. reagiert prompt: Er verklagte den Krankenhausarzt auf Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Kein Einzelfall: Kunstfehlerprozesse beschäftigen Richter und Rechtsanwälte immer häufiger. 30 000 Schadensfälle werden den Versicherungen jährlich gemeldet. Etwa 16 000 davon landen vor deutschen Gerichte, schätzen Experten - bei steigender Tendenz. Die meisten Prozesse richten sich gegen die Fachgebiete Chirurgie, Orthopädie und Gynäkologie. Zwei Antriebsfedern haben die Experten ausgemacht: Neben Ärztepfusch lösen auch völlig unrealistische Vorstellungen mancher Patienten über das Leistungsvermögen ihres Arztes einen Prozess aus.

Am Anfang steht immer ein Mensch, der das Gefühl hat, dass etwas schief gelaufen ist. Wer dann erst einmal mit dem Arzt reden will, sollte bei allem noch bestehendem Vertrauen Vorsichtsmaßnahmen treffen. Das Gespräch solle auch auf Seiten des Arztes unbedingt mit einem Zeugen statt finden, rät der auf Medizinrecht spezialisierte Anwalt Karl Bergmann. -Otto "Das schützt Arzt wie Patient in einem späteren Prozess." Schuldanerkenntnisse wird der Mediziner vermeiden - seine Haftpflichtversicherung wird im Falle einer späteren Verurteilung den Schaden sonst nicht regulieren.

Kein vorheriges Gespräch mit dem Arzt

Patientenanwälte sehen ein vorheriges Gespräch mit dem verdächtigen Arzt eher kritisch: "Wir hatten schon Fälle, in den die beschuldigten Ärzte schnell die Behandlungsunterlagen gefälscht haben. Dieses Risiko sollte ein Patient generell völlig ausschließen und daher ein Gespräch von vornherein vermeiden", sagt Anwältin Ilse Dautert.

Doch der sofortige Gerichtsgang ist nicht zwingend. Wer einen Prozess erst mal umgehen will, kann sich zuerst an die Gutachterkommissionen und Schiedsstellen der Ärztekammern wenden. Sie sind eingerichtet worden, um möglichst viele Gerichtsverfahren bereits im Vorfeld zu vermeiden. In einem rein schriftlichen und kostenlosen Verfahren klärt ein aus Juristen und Ärzten bestehendes Gremium den Fall und gibt eine unverbindliche Empfehlung ab.

Doch die Schlichter sind nicht unumstritten. Patientenanwälte halten sie für parteiisch, Ärzteanwälte wie Bergmann argumentieren demgegenüber, dass in nur 1,1 % der Fälle die Gerichte später anders urteilen. Aber auch sie halten die Stellen bei komplizierten Fällen für untauglich.

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