Schaffen oder Scheitern
Bachelor braucht dringend Hilfe

Die Umstellung auf die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master löst sowohl bei den Hochschulen als auch bei den Studenten Stress aus. Immer mehr Studenten brauchen psychologische Beratung, Grund sind die neuen Abschlüsse, in denen keine Auszeit mehr möglich ist. Auch die Unternehmen fordern zunehmend Unterstützung.

DÜSSELDORF. Christian Schutz, Personalverantwortlicher der BMW Group, sieht dringenden Handlungsbedarf: „Es ist mehr Beratung an den Hochschulen nötig.“ Schutz ist auch für Bachelor- und Masterthemen beim Arbeitskreis Personalmarketing zuständig und stellt fest: „Viele Studiengänge wurden lediglich umetikettiert. Dass das nicht gehen kann, ist klar.“

Symptome wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Niedergeschlagenheit zeigen sich bei den Studenten, die den Stress des Studiums nicht mehr allein bewältigen können und Hilfe suchen. Zum Beispiel bei der psychologischen Beratungsstelle der Universität Bonn. Sie ist klein, aber eine Institution.

Leiter Reinhard Kukahn, 69 Jahre alt, groß und dünn, trägt einen braunen Pullover und eine große Brille. Er erkennt den großen Druck, unter dem die Bachelor-Studenten stehen: „Die können sich keine Auszeiten leisten, entweder sie schaffen es – oder sie scheitern. Das ist knallhart.“

Zu ihm kommen nicht die, die ihr Studium schaffen und fertig machen – sondern die, die ihr Studium schafft und fertigmacht. Seit der Einführung von Bachelor und Master ist die Zahl der Studierenden, die sich an die Beratungsstellen der Hochschulen wenden, gestiegen. 2004 kamen 16 000, 2007 schon über 21 000 Hilfesuchende. „2008 ist die Beratungsnachfrage noch mal stark gestiegen“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW). Die Berater an den 43 Einrichtungen des DSW seien sehr gefragt. „Die Beratungsangebote müssen auf jeden Fall mehr werden", macht Meyer auf der Heyde deutlich. Denn die Anzahl derer, die sich mit ihren Problemen alleingelassen fühlen, nehme zu.

Viele Hochschulen haben die Chancen von Bologna nicht genutzt, sondern ihre Diplom- und Magisterinhalte in neue Bachelor-Verpackungen gesteckt – zumindest kommt das vielen Studenten so vor. Der kleine Unterschied ist die verkürzte Regelstudienzeit von drei Jahren. Mehr lernen für bessere Noten – in kürzerer Zeit, mit größerem Druck, weniger Auswahl und höheren Hürden. Denn den Master können nur die Besten machen. Hinzu kommt, dass die Studenten jünger werden – und mehr.

Universitäten, Privat-Unis und Fachhochschulen gehen mit den Problemen der neuen Studienordnung unterschiedlich um: An den Fachhochschulen finden sich nur vereinzelt explizit psychologische Gesprächsangebote, an den Privat-Unis werden sie nur wenig in Anspruch genommen.

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