Scheitern
Zweite Chance

Hinfallen ist keine Schande. Man muss nur wieder aufstehen. Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig - wer scheitert, kann viel über die eigenen Stärken und Schwächen und so Niederlagen in Siege verwandeln. Über den richtigen Umgang mit dem Scheitern.
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Premiere-Chef Georg Kofler steckt wieder mal in einem Tief. Das Bundeskartellamt legte die im Februar abgeschlossene Kooperation des Bezahlsenders mit Konkurrent Arena zum Teil auf Eis. Premiere muss die Vermarktung der Fußballbundesliga-Übertragung über Satellit vorübergehend aussetzen. Bis Ende Mai wird Premiere keine neuen Satelliten-Kunden fürs Arena-Paket annehmen. Bis dahin wollen die Partner ein "kartellrechtlich unbedenkliches Modell" entwickeln.

Kofler kennt solche Rückschläge. Er musste sie oft einstecken. Im Dezember 2005 beispielsweise verpokerte er sich beim Versuch, die Übertragungsrechte der Bundesliga von der DFL Deutschen Fußball Liga exklusiv zu ersteigern. Den Zuschlag erhielt Arena. Mit einem Mal stand das Geschäftsmodell von Premiere auf der Kippe - und damit die Zukunft Koflers.

Doch erschüttern konnte das den Mann mit dem "Rebellen-Gen" (Kofler über Kofler) nicht. Er hakt solche Sachen ab und bastelt sofort an neuen Plänen. Im Januar 2006 schaltete Kofler Spots, die frech verkündeten, Premiere bleibe in der Bundesliga am Ball. Die Fans waren verdattert und abonnierten bei keinem der Anbieter. Ein Exodus der Premiere-Kunden blieb aus. Es würde nicht verwundern, wenn Kofler nach der jetzigen Schlappe durch das Kartellamt erneut mit einem Überraschungsplan auftrumpft.

Koflers Niederlagen waren stets temporär. "Hinfallen ist keine Schande, wenn man nachher wieder aufsteht", sagt der Pragmatiker. Kämpfer wie Kofler haben Niederlagen im Leben eingepreist. Sie wissen, dass sie dazugehören. Versemmelte Verhandlungen, vergeigte Projekte, ruinierte Karrieren und insolvente Firmen werfen sie nicht aus der Bahn. Scheitern gehört mit zum Geschäftsrisiko. Und für den, der die richtigen Schlussfolgerungen daraus zieht, ist es sogar eine Bereicherung: Wer damit richtig umzugehen weiß, baut eine innere Distanz zu Niederlagen auf und kann aus seinen Fehlern lernen.

Leider sind das Ausnahmen. Im Wettbewerbsumfeld der globalen Wirtschaft gelten Niederlagen als Makel. "Im deutschen Denken wird Scheitern wie eine Sünde betrachtet", sagt der Kulturhistoriker Stefan Zahlmann, der an der Uni Konstanz Scheitern zum Seminarthema erhoben hat. "Wer scheitert, hat sich das selbst zuzuschreiben, er hat offenbar Schuld auf sich geladen", erklärt Zahlmann. So wird Scheitern zur Strafe für Verfehlungen - und damit zum Tabu.

Schlimmer noch: Niederlagen werden oft als unabänderliches Faktum hingenommen. Während in den USA für ein Viertel aller insolventen Unternehmen ein Sanierungsplan ausgearbeitet wird, liegt dieser Wert hierzulande bei einem Prozent, so eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM). Viele geben sich verloren, bevor sie wirklich verloren haben.

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