Scheu überwunden
Headhunter entdecken das Netz für sich

Früher waren Headhunter schrecklich elitär und diskret. Inzwischen sind ihnen in den Online-Jobbörsen mächtige Konkurrenten erwachsen. Konsequenz: Die Personalberater gehen nun selbst ins Internet.

DÜSSELDORF. Der typische Internet-Nutzer ist männlich, Akademiker, Anfang 30 und verfügt über ein gutes Einkommen. Kein Wunder also, dass Personalberater ihre Angeln verstärkt dort auswerfen, wo sich diese Goldfische tummeln. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater nutzen rund 80 Prozent der Personalberater das Internet im Rahmen der Direktsuche.

Fachleute für Informationstechnik (IT) seien auf anderen Wegen kaum noch zu erreichen, beobachtet Patrick Scheel, Geschäftsführer der Fenner Interselect GmbH. Die Ende 1999 gegründete Internet-Tochter der Personalberatung Fenner & Partner will die Personalsuche im Internet mit klassischen Methoden des Headhunting verbinden: „Die eigentliche Kunst besteht darin, die am PC herausgefilterten Spezialisten richtig anzusprechen und den Kontakt über einen längeren Zeitraum zu halten, bis es zum Vertragsabschluss kommt.“

Services rund um Job und Karriere

Wer sich bei Fenner Interselect registrieren lässt, muss einen rund 250 Fragen umfassenden Bogen ausfüllen. Als Lohn für die Mühe winkt die Mitgliedschaft in der „Internet-Karriere-Community“, die einen Service rund um Jobvermittlung und Karriereberatung beinhaltet. Auf der Homepage steht täglich ein Personalberater zum Chatten bereit. Zur Karriere-Plattform gehören außerdem ein Gehaltscheck und ein Newsticker.

Probleme bereite allerdings die Masse der Kandidaten im Netz, räumt Scheel ein. Da die virtuelle Selbstdarstellung für Bewerber fast immer kostenlos ist und ausschließlich auf der Selbsteinschätzung der Kandidaten beruht, stehen die Personalberater vor dem Problem, die Spreu vom Weizen zu trennen. „Insbesondere Bewerber aus der IT-Branche neigen zu unrealistischen Selbstdarstellungen. Durchschnittlich 20 bis 30 Prozent aller Kandidatenprofile sind unbrauchbar“, stellt Scheel fest.

Die Furcht vor qualitativen Einbußen hatte die Headhunter-Zunft lange davon abgehalten, den Markt breit anzusprechen und intensiv Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Nun zwingt sie das veränderte Umfeld in die Offensive: Online-Stellenmärkte wie Jobware bieten zusätzliche Leistungen an, zum Beispiel Direktsuche, Karriereberatung und Coaching. In die gleiche Richtung gehen die Betreiber von Bewerberdatenbanken, etwa Jobline, sowie die privaten Arbeitsvermittler.

Online-Ansprache ist kein Ersatz für die Direktsuche

Als Ergänzung, aber „keinesfalls als Ersatz“ für den Weg der Direktsuche versteht sich die Futurestep Deutschland GmbH, die Internet-Tochter des international tätigen Headhunting-Unternehmens Korn/Ferry. Besonders geeignet sei das Internet zur ersten Kontaktaufnahme mit jüngeren, qualifizierten Vielverdienern der Online-Generation, die das Internet als Kommunikationsmittel bevorzugten, sagt Geschäftsführer Markus Frosch.

Futurestep zielt auf die so genannten Young Professionals der Computer- und Softwarebranche mit einigen Jahren Berufserfahrung und einem Jahreseinkommen bis 180 000 Mark. Mitte 1998 in den USA gegründet, soll die globale Datenbank von Futurestep derzeit weltweit rund 800 000 Kandidatenprofile enthalten, davon 40 000 im deutschsprachigen Raum.

Karriereberatung per E-Mail, Chats und Newsletter sind auch bei Future- step das Mittel, um möglichst viele Kandidatenprofile in die Datenbank zu ziehen. Dabei beschränkt sich die Registrierung nicht auf die üblichen Angaben zum beruflichen Werdegang: Im zweiten Teil des elektronischen Fragebogens geht es um eine Art Selbstanalyse im Hinblick auf die „weichen“ Faktoren wie „Style View“, den Entscheidungsstil, oder „Career View“, die Karriereorientierung.

Jeder Interessent wird aufgenommen

Grundsätzlich unterscheiden die Personalexperten 280 „generische Profile“, mit denen sich etwa 90 Prozent aller Arbeitsplätze beschreiben lassen sollen. So gebe es in jeder Unternehmensfunktion von Controlling bis Marketing und Vertrieb eine überschaubare Zahl von Aufgaben, die je nach Verantwortungsumfang unterschiedlich zu gewichten seien.

Jeder Interessent wird in die Datenbank aufgenommen; jemanden abzulehnen sei nicht üblich, sagt Ursula Martin, bei Futurestep in Düsseldorf für das Marketing zuständig. Schließlich komme es darauf an, für jeden Kandidaten den passenden Platz zu finden.

Ein etwas anderes Konzept verfolgt Leaders Online , die Internet-Tochter von Heidrick & Struggles. Dort dauern die Registrierungsformalitäten nur einige Minuten, aufwendige Tests und lange Fragenkataloge bleiben den Kandidaten erspart. „Jeder Klient setzt andere Schwerpunkte und hat eigene Wertvorstellungen“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Doell. Heidrick & Struggles verfolge mit Leaders Online den traditionellen Ansatz, Kandidaten aus der Datenbank in einem persönlichen Gespräch zu testen.

Nach Doells Angaben greift Leaders Online auf weltweit gut 100 000 Kandidatenprofile zu, hauptsächlich von Fach- und Führungskräften mit einem Jahressalär zwischen 150 000 und 250 000 Mark. Doch die Anzahl der Kandidatenprofile sei nicht entscheidend für den Erfolg, betont Doell. Er schwört auf „Klasse statt Masse“.

Top-Bewerber scheuen häufig die Mühen der Registrierung

Leaders Online ergänzt jedes Stellenangebot um eine Multimediaseite, die über das ausschreibende Unternehmen informiert. Dort können sich interessierte Kandidaten zunächst unverbindlich umschauen. „Diesen Service stellen wir auch Leuten zur Verfügung, die nicht in unserer Datenbank registriert sind“, sagt Doell. Denn gerade Top-Bewerber machten sich oft nicht die Mühe, sich registrieren zu lassen.

Den Kunden schließlich präsentiert Leaders Online handverlesene Kandidaten, die zuvor im persönlichen Gespräch überzeugt haben. Fenner Interselect prüft durchschnittlich zehn Profile, bevor ein Bewerber zum Kunden geschickt wird. Für die erfolgreiche Vermittlung zahle der Auftraggeber rund 10 000 Mark, was bis zu 20 Prozent günstiger sei als bei der reinen Direktsuche, sagt Patrick Scheel. Futurestep und Leaders Online berechnen analog zur klassischen Direktsuche 30 Prozent vom Jahreseinkommen des vermittelten Mitarbeiters.

Den größten Vorteil der Internet-gestützten Direktsuche sehen die Headhunter in der Geschwindigkeit: Futurestep verspricht, innerhalb von 30 Tagen nach Auftragserteilung drei Kandidaten für einen Führungsposten zu präsentieren – mit Lebenslauf, den Ergebnissen des Internet-Fragebogens und einem Kommentar von futurestep. Beim klassischen Vorgehen über das Telefon müssen die Vermittlungsprofis mit 90 bis 120 Tagen mehr als drei Mal soviel Zeit für die Vermittlung einplanen.

Um noch mehr Tempo zu machen, will Futurestep vorausgewählten Kandidaten eine Videobox in der Art eines Bildtelefons ins Haus schicken. Ausschnitte aus dem Video-Interview mit dem Personalberater am Telefon könnten auf CD gepresst und dem Auftraggeber zugesandt werden, so die Pläne der Net-Hunter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%