Schlafforschung
Ruhe kreativ

Was tun, wenn die Müdigkeit die Kreativität hemmt? Schlafforscher haben herausgefunden: Das Nickerchen zwischendurch bringt Manager wieder auf ganz neue Ideen – aber bitte nicht einschlafen dabei!

Der große kleine Mann hielt vom Schlafen nicht viel. Napoleon war der Auffassung, nur Kranke und Dummköpfe müssten sich für längere Zeit ins Bett verkriechen.

Albert Einstein dagegen legte auf seinen 10-Stunden-Schlaf allergrößten Wert. Und das mit weit reichenden Folgen: In seinem Ruhekissen entdeckte er nämlich wesentliche Aspekte seiner Relativitätstheorie. Gemeinsamkeiten hatten die beiden Heroen der Geschichte trotzdem: Ihre Vorliebe für das Mittagsschläfchen.

Das gönnen sich jetzt auch immer mehr Manager, seit ihre Unternehmen so genannte „Silent Rooms“ (Ruheräume) eingerichtet haben. Damit können sich die Entscheider voll und ganz dem kreativen „Power-Napping“ widmen. Das „Kraft-Nickerchen“ (Engl. nap) in der Mittagspause kann kleine Wunder bewirken.

Der selbstständige Frankfurter Finanzmanager Carsten Hügel hat solche Erfahrungen gemacht. „Wenn ich 10 bis 15 Minuten in der Mittagszeit schlafe, fühle ich mich hinterher viel fitter, ausgeruhter und gehe mit Elan wieder an meine Projekte“, sagt er. Hügel warnt aber vor einem zu langen Mittagsschlaf: „Wenn ich ihn auf über eine halbe Stunde ausdehne, wird das Ganze kontraproduktiv. Dann fühle ich mich nach dem Aufwachen wie gerädert.“

Das Nickerchen in der Mittagspause will gelernt sein. Um richtig abschalten zu können, braucht es Übung. Das sagt jedenfalls Barbara Ryser von der Züricher Firma „Ruhe und Aktivität“. Vor einem Fehler warnt sie ganz besonders: „Nie länger als 30 Minuten schlafen, wenn das Aufstehen nicht zur Tortur werden soll.“

Schlafforscher wie der Regensburger Jürgen Zulley empfehlen, vor dem Nickerchen am Mittag eine Tasse Kaffee zu trinken. Der Grund: Das Koffein entfaltet seine Wirkung erst nach 30 Minuten. Es stört also nicht beim Einschlafen, ist dafür aber ein guter Wecker.

Apropos einschlafen. Barbara Ryser warnt davor. „Ich nenne solche Nickerchen lieber Ruhepausen, denn richtig schlafen darf man im Büro nicht.“ Und mit einer solcher Ruhepause sollte sich ein stark beanspruchter Manager nicht zufrieden geben. Drei von jeweils 15 Minuten Dauer sollten es nach Ansicht von Ryser am Tag schon sein. Diese Ruhepausen gönnt man sich optimalerweise liegend auf einer Matte. „Dafür ist ein Ruheraum im Unternehmen bestens geeignet“, sagt Ryser.

Den wird ein Chef allerdings wohl nicht in Anspruch nehmen müssen. Der sagt seiner Sekretärin einfach, dass er für 15 Minuten für niemanden zu sprechen ist, und schließt die Tür hinter sich zu. Generalleutnant Wolf Graf Baudissin, einst Erfinder der „Inneren Führung“ bei der Bundeswehr, legte sich zum Beispiel dann immer auf seinen Büroteppich.

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