Schlappe für Ex-Manager
VW-Affäre: Gericht bestätigt Entlassung Gebauers

Volkswagen hat seinen ehemaligen Manager Klaus Gebauer-Joachim einem Gerichtsurteil zufolge zu Recht wegen der VW-Affäre entlassen. Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen wies in zweiter Instanz die Kündigungsschutzklage des 62-Jährigen ab.

HB HANNOVER. Der für die Spesen des Betriebsrats zuständige Manager habe "seine Stellung bei VW dazu missbraucht, um sich persönlich zu bereichern", sagte der Kammervorsitzende Hans Löber-Karl in der Urteilsbegründung am Dienstag.

Über das von ihm geführte Spesenkonto des Betriebsrates habe Gebauer Reisen doppelt abgerechnet und auch persönliche Reisen bei Volkswagen in Rechnung gestellt, sagte Löber weiter. Außerdem habe Gebauer von einem Veranstaltungsmanager 15 000 Euro überwiesen bekommen, von dem eine Rechnung über 15 000 Euro zwei Mal mit VW abgerechnet wurde.

Jede der drei Handlungen rechtfertige allein eine fristlose Kündigung, sagte der Kamervorsitzende. Gebauer habe "das in ihn gesetzte Vertrauen gröblich verletzt und VW erheblichen Schaden zugefügt". Revision gegen das Urteil ließ das Landesarbeitsgericht nicht zu.

Gebauers Anwalt Wolfgang Kubicki kündigte aber nach der Urteilsverkündung Beschwerde beim Bundesarbeitsgericht gegen die Nichtzulassung der Revision an. Das Bundesarbeitsgericht müsse die Grundsatzfrage entscheiden, ob ein Arbeitnehmer, der im Auftrage eines Vorgesetzten ungesetzlich handele, später dafür entlassen werden könne, sagte der Anwalt.

"Gebauer war der Laufbursche"

Der Prozessvertreter von Volkswagen, Michael Ganninger, äußerte sich befriedigt über das Urteil. "Unsere Rechtsauffassung und damit die fristlose Kündigung ist nun in zwei Instanzen bestätigt worden", sagte Ganninger. Ein Verhalten zum Schaden von VW, wie es Gebauer an den Tag gelegt habe, akzeptiere man nicht.

Kubicki erklärte dagegen, Gebauer habe lediglich auf Anweisung von VW-Personalvorstand Peter Hartz alle Wünsche von Betriebsratschef Klaus Volkert erfüllt. "Gebauer war der Laufbursche, er war das Portemonnaie für Volkert", sagte der Anwalt. Mit dem Einreichen privater Reiserechnung bei VW oder dem mehrfachen Einreichen von Rechnungen habe Gebauer nur andere Ausgaben für Volkert abgedeckt, meinte Kubicki.

Richter Löber widersprach dem in der Urteilsbegründung. Er bezeichnete es als "unwahr", dass Gebauer über VW abgerechnete Privatreisen doch selbst bezahlt habe. Gebauer und sein Anwalt hätten nicht belegen können, dass die dadurch erhaltenen Gelder für Ausgaben von Volkert verwendet worden seien.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Gebauer wegen Betruges und Untreue zu Lasten von Volkswagen. Volkswagen hatte Gebauer nach Bekanntwerden der Affäre im Sommer 2005 gekündigt. Dagegen hatte der Ex-Manager zunächst vor dem Arbeitsgericht Braunschweig geklagt. Das Arbeitsgericht bestätigte im November 2005 in erster Instanz Gebauers Entlassung.

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