Schlicht daneben
Wenn Vorgesetzte scherzen

Es gibt Momente, in denen ein Scherz das Letzte ist, was man hören möchte. Diese Situation, in welche die Personalerin eines Autoproduzenten geriet, war so eine.

Sie hatte damit gerechnet, dass sie befördert werde. Doch in der Teeküche erfuhr sie, dass ihre Vorgesetzten einem Kollege einer anderen Abteilung genau den Posten, den sie gerne bekommen hätte, versprochen hatten. Dabei hatte sie fest damit gerechnet, selbst dorthin befördert zu werden. Schließlich hatten ihre Chefs ihr dies monatelang immer wieder in Aussicht gestellt. Um Klarheit zu bekommen, erbat sie deshalb ein Gespräch mit ihrem Chef. Und der eröffnete ihr: "Für diese Führungsaufgabe finden wir Herrn Meier passender. Und Sie füllen ihren Posten doch so perfekt aus - da würden wir doch gar keine adäquate Nachfolgerin finden." Das saß. Erst die Enttäuschung und obendrein ein - versuchter - Witz auf ihre Kosten.

Womöglich war der Mann nur verlegen und ihm fiel nichts Besseres ein. Oder er wollte nicht mit der Wahrheit herausrücken. Doch dieser Joke war der sprichwörtliche Spott, für den die Geschädigte nicht mehr sorgen musste. Schlicht daneben. Die Mitarbeiterin war gekränkt und ihr rutschte vor Wut der Satz heraus: "Ich hatte fest mit der Beförderung gerechnet. Ich habe jahrelang bewiesen, dass ich erfolgreich arbeiten kann und auch Führungsaufgaben meistere." Unter Behave-Gesichtspunkten war das ungeschickt. Wer beleidigt ist, sollte dies im Job nicht zeigen. Erst recht nicht, wenn man zurückgesetzt oder diskriminiert wird oder sich zumindest so fühlt. Besser wäre gewesen, sie hätte konkret gefragt, was ihrer Beförderung im Wege steht. Und herauszubekommen, was sie ihrerseits noch für ihre Karriere tun könne. Und sich notfalls sofort umzuorientieren und eine neue Firma zu suchen. Bei der man auch Frauen zutraut, Führungsverantwortung zu tragen.

So berichtete auch eine Anlageberaterin aus dem Private Banking Ihrer Chefin von ihrer Schwangerschaft und dass sie nach sechs Monaten wieder arbeiten wolle. Die reagierte nur enttäuscht: "Ich bin überrascht. Ich habe Sie ehrgeiziger eingestuft. Na, dann formulieren Sie schon mal die Ausschreibung Ihrer Stelle", und beendete das Gespräch. Die Beraterin war tief getroffen und erzählte es den Kollegen. Besser wäre, stoisch zu bleiben "Eigentlich komme ich so früh, um mit ihnen zu besprechen, wie meine Abwesenheit überbrückt werden kann." Ganz sachlich bleiben - und professionell.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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