Schlüsselqualifikationen zum Erfolg
Erst Wissen hilft Intelligenz auf die Sprünge

Intelligenz ist nützlich - aber Wissen ist der entscheidende Schlüssel zum Können. Dies zeigen neuere Forschungsergebnisse, die auch für die Bildung praktische Bedeutung haben. Die Bildungsforscherin Elsbeth Stern verdeutlicht dies in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „Psychologie heute“.

HB/dpa HAMBURG. Sie bezieht sich dabei auch auf die internationale Schülerstudie Pisa, die erhebliche Defizite in Deutschland offen legte. Stern hält jedenfalls eine „anspruchsvollere“ Vor- und Grundschulerziehung für notwendig. Der „Aufbau einer intelligenten Wissensbasis“ müsse früh beginnen, schreibt die Wissenschaftlerin vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Er benötige Zeit.

Die Professorin bemerkt dazu, dass der Begriff Wissen in unserer Gesellschaft häufig einen negativen Beigeschmack habe. „Wissen ansammeln sei etwas für weniger intelligente Menschen, während intelligente Köpfe sich auch ohne dies behelfen könnten.“ Jedenfalls hält es die Forscherin für falsch, dass seit einiger Zeit unter dem Schlagwort „Schlüsselqualifikationen“ nicht die Vermittlung von Wissen im Mittelpunkt der Bildung stehen soll, sondern etwa Sozial- und Lernkompetenz. Kompetenzen, die, wie sie feststellt, in einer erfolgreichen Lernumgebung als höchst brauchbare Nebenprodukte abfallen. Vorrang muss nach ihrer Auffassung die Vermittlung von Inhalten haben.

Aktivität des Schülers wichtig

Wichtig erscheint ihr dabei die Aktivität des Schülers selbst. Er solle „intelligentes Wissen“ aufbauen, indem er die neue Information an sein schon bestehendes Wissen knüpft - im Unterschied etwa zum bloßen Ansammeln von Fakten. „Je mehr Wissen er hat und je besser dieses strukturiert ist, umso leichter kann er neu eingehende Informationen aufnehmen.“ Wichtig sei, früh mit dem Wissensaufbau zu beginnen. Dass wir rasch das Wort „Mississippidampfschifffahrtsgesellschaftskapitän“ lesen können, verdanken wir der hochgradigen Automatisierung des Erkennens von Buchstaben sowie dem Wissen darüber, welche Buchstabengruppen welchen Silben zugeordnet sind, erläutert Elsbeth Stern.

„Ein im Lesen ungeübter Mensch hingegen muss jeden Buchstaben in einen Laut übertragen und daraus mühsam ein Wort konstruieren. Es wird Arbeitsspeicherkapazität gebunden, die für das Sinnverständnis verloren geht.“ Die Pisa-Studie gibt Hinweise darauf, dass hier das Problem für viele Hauptschüler liegt. „Der Leseprozess ist so wenig automatisiert, dass die gesamte Aufmerksamkeit absorbiert wird und für das Stiften von Sinnzusammenhängen nichts übrig bleibt.“

Einmaleins gehört dazu

Automatisierung wird in allen Bereichen gefordert. Das Beherrschen des Einmaleins gehört ebenso dazu wie das Erkennen von Schaubildern oder das Vokabellernen in der Fremdsprache. Automatisierung ist die Folge von Übung in Teilschritten. Wichtig ist, dass automatisiertes Wissen immer wieder in „sinnstiftendes Lernen eingebetet“ wird, wie die Professorin schreibt. Sie verweist auch auf systematische Forschungen über Menschen, die in einem besonders anspruchsvollen Gebiet Höchstleistungen erbringen. „Es zeigte sich, dass sich diese Menschen von anderen nicht durch ihre Intelligenz, sondern durch ihr Wissen unterscheiden“ - obwohl sie natürlich „in vielen Bereichen auch überdurchschnittlich intelligent sind.“

In Fachpublikationen finden sich für die Rolle des Wissens bei Höchstleistungen viele konkrete Beispiele. Danach verfügen Schachmeister über ein Repertoire von etwa 50 000 verschiedenen Schachmustern, die sie blitzschnell wiedererkennen und nutzen können. Ein guter Clubspieler kann etwa 1000, ein Schachanfänger nur wenige Figurenmuster wiedererkennen. Auf diesem Hintergrund werden auch die erstaunlichen Leistungen von Schachmeistern im Simultanspiel verständlich. Ähnliche Belege für die bedeutende Rolle von Wissen bei der Lösung von Aufgaben ergaben Vergleiche zwischen Neulingen und Experten in den Naturwissenschaften, der Informatik sowie auch den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Auch in wissenschaftlichen Erörterungen zur so genannten Kreativität finden sich entsprechende Einschätzungen: Damit Intelligenz und flexibles Denken etwas Großes hervorbringen, ist die vorherige Erarbeitung von Wissen und Know-how notwendig. Schon der berühmte amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison (1847-1931) bestätigte: „Genie ist ein Prozent Inspiration und 99 % Transpiration."

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