Schülerlabore
Unternehmen fördern Forschergeist

Forschen statt pauken – nach dieser Devise kämpfen bereits gut 200 Schülerlabore in Deutschland für einen neuen Forschergeist. Die Firmen wollen Nachwuchs für Naturwissenschaften gewinnen. Wie die Unternehmen Schüler mit Ideen und einem erkennbaren Alltagsbezug ködern.

BERLIN. „Wie viel Rost ist auf einer Schraube?“ Regelmäßig versucht Klaus Wannowius, diese Frage zu beantworten – besser gesagt: Er hilft Dritt- und Viertklässlern, sich selbst daran zu versuchen. „Am Beispiel des Rostens und des Entfernens von Rost wird gezeigt, wie man eine chemische Gleichung aufstellen kann“, sagt der promovierte Chemiker. Die Schrauben-Frage ist nur eine von vielen, die Kinder und Jugendliche im „Merck-TU Darmstadt-Juniorlabor“ mit Hilfe von Experimenten beantworten. Nicht nur die Kleinen dürfen sich als Forscher ausprobieren, bis zur Oberstufe sind Schüler willkommen. Die befassen sich dann mit Themen wie der „Chemischen Reaktionskinetik“.

Forschen statt pauken – nach dieser Devise kämpfen bereits gut 200 Schülerlabore in Deutschland für einen neuen Forschergeist. Seit Ende der neunziger Jahre bauen Universitäten und Forschungseinrichtungen, aber zunehmend auch Unternehmen die externen Lernorte auf. Grund des erheblichen finanziellen Engagements: Viele junge Menschen werden von naturwissenschaftlichen und technischen Fächern durch missglückte Schulstunden abgeschreckt. In diesen „harten“ Fächern schneiden deutsche Schüler bei internationalen Vergleichsstudien häufig unterdurchschnittlich ab. Mit der Folge: Potenzielle Fachkräfte und Ingenieure fehlen, die der Wirtschaftsstandort Deutschland aber braucht.

Die Unternehmen setzen sich langfristig Ziele. „Merck fördert den Schulunterricht schon seit acht Jahren, vom Kindergarten bis zur Oberstufe, und zwar nicht nur im Fach Chemie“, sagt Christa Jansen, eine promovierte Biochemikerin, die für den Chemiekonzern die Schulförderung ausgebaut hat. „Das Schülerlabor war eine Lücke in unserer Schulförderung, die wir gemeinsam mit der Technischen Universität Darmstadt schließen konnten.“ Die TU stellte die Räume zur Verfügung, Merck richtete das Labor ein und finanziert die laufenden Kosten. Mit Erfolg: Wie alle anderen Labore auch ist die Darmstädter Einrichtung über Monate hinaus ausgebucht – die Nachfrage ist groß.

„Im Schulunterricht lernt man mit Geräten, aber nicht mit Ideen umzugehen, der Bezug zum Alltag und zur Lebenswelt ist häufig kaum erkennbar“, sagt Manfred Euler, Professor am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel. Der Bildungsforscher beobachtet die Entwicklung der Schülerlabore, seitdem 1996 das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg das erste Angebot auf die Beine stellte: „Wir fanden es spannend, dass neben den Schulen etwas passierte, was schneller reagierte als das etablierte System.“ Mit Hilfe eines Förderprogramms des Bildungsministeriums entstand damals auch die Dachorganisation „Lernort Labor“, eine ganze Reihe von Einrichtungen gründeten sich. Doch als die Unterstützung des Bundes 2004/05 auslief, wurde bei vielen das Geld knapp. Heute sind die Schülerlabore deshalb auf die Hilfe von Stiftungen und der Industrie angewiesen.

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