Sitzordnung
Platz da!

Konferenzen und Meetings sind wie Schauspielbühnen. Schon die Sitzordnung gibt viel preis über die Teilnehmer. Psychologen sind überzeugt: Der Sitzplatz am Konferenztisch verrät nicht nur die Rolle und den Status, sondern auch die innere Geisteshaltung, die jemand in Wahrheit einnimmt.
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Wo sitzen Sie das nächste Mal im Meeting: wieder auf Ihrem Stammplatz? Warum eigentlich? Und warum sitzen Krause, Müller und der Chef stets da, wo sie bereits vergangene Woche Platz genommen haben?

Bisher dachten Kommunikationsexperten: alles Routine. Wer sich einmal an seinen Platz gewöhnt hat, genießt fortan die Sicherheit des immer gleichen Ritus. Der Stammplatz – er markiert vor allem ein eigenes Territorium, das sich jemand mit wachsender Betriebszugehörigkeit erkämpft hat und nun besetzt hält.

Falsch gedacht: So setzen sich erstaunlich oft ausgerechnet die Meinungsgegner auch am Konferenztisch gegenüber, der Chef gerne mit dem Blick zur Tür und die ihm wohlgesonnenen Mitarbeiter instinktiv in dessen unmittelbare Nähe. Der Grund: Schon vorab legt jeder seine geistige Position fest und verhält sich unbewusst danach.

Die Geheimnisse der Konferenzpsychologie hat die US-Psychologin Sharon Livingston enträtselt. Die Unternehmensberaterin hat im Laufe ihrer Karriere mit mehr als 40 000 Arbeitnehmern und Vorgesetzten gesprochen, sie beobachtet und analysiert. Ihr Fazit: Wo wir sitzen, zeigt, wie wir denken. Nach ihrer Theorie bestimmen vor allem sieben Typen die Alltagskonferenzen — vom Chef über den hartnäckigen Widersacher bis hin zum eifrigen Zustimmer (siehe Illustration). Wer den Sitzcode durchschaut, kann nicht nur das Verhalten seiner Mitstreiter besser entlarven oder beeinflussen – er kann so auch aktiv seine eigene Rolle innerhalb des Teams, der Abteilung oder des Unternehmens neu definieren.

Die Sitzordnung in einem Meeting „spiegelt in hohem Maße die Rangordnung in einem Unternehmen wider“, sagt Conny Antoni, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Trier. Neben formellen Rollen wie Manager und Mitarbeiter tragen Konferenzen vor allem zur „Verteilung der informellen Rollen“ bei.

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