Sportler-Karrieren
Auf dünnem Eis

Viele Spitzensportler haben nach dem Ende ihrer Athletenkarriere massive Probleme, eine berufliche Laufbahn einzuschlagen. Nun gibt es auch in Deutschland ein Programm, das einstigen Medaillenjägern helfen soll, nach dem sportlichen Aus auf dem Arbeitsmarkt durchzustarten.
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Vor dem Fernseher wirkt alles weit weg. Das spiegelnde Eis, das Scharren der Kufen auf der glatt polierten Bahn, der weiße Atem der Athleten im Turiner Olympiastadion Oval Lingotto. Die Speed Skater schwitzen. Vesa Rosendahl aber, Finnlands Hoffnung im Eisschnelllauf, friert. Er hat die Heizung aufgedreht in seiner Wohnung, während in der Ferne die Olympioniken übers italienische Eis sausen. Dort, wo er sich selbst mal sah.

Dem finnischen Eisschnellläufer läuft die Nase. Zwei vergeigte Saisons und zu viele Erkältungen trennen ihn vom olympischen Traum. Jahrelang konnte er sich auf seinen Körper verlassen. Für die entscheidenden Rennen aber war er zu schlapp. Rosendahl hat die Qualifikationsrunde verpasst, sein Ticket nach Turin. "Das war’s", sagt er. Rosendahl, von Beruf Eisschnellläufer, ist 30 Jahre alt. Zu alt für den Spitzensport. Jetzt ist er arbeitslos.

Mit diesem Schicksal ist der Finne nicht allein. Tausende von Hochleistungsathleten plagt am Ende ihrer Sportkarriere die Existenzangst. Ihnen dämmert, dass sie sich zu lange im Medaillen-Glanz gesonnt haben. Erst das sportliche Aus reißt sie aus der trügerischen Sicherheit. Ihnen wird bewusst, dass ihnen Geld und neue Ziele fehlen.

Das Dilemma der Spitzensportler gleicht dem vieler anderer Hochqualifizierter nach dem Karriereknick: Für einen kompletten Berufswechsel sind sie meist nicht gewappnet. Im Vergleich zu hoch spezialisierten Ingenieuren oder IT-Experten, die plötzlich den Arbeitsplatz verlieren, haben Sportler aber die besseren Karten. "Sportler tun sich leichter", sagt Uwe Beyer, Geschäftsführer beim Personaldienstleister Adecco. Was die Athleten auszeichnet – Siegeswille, Ausdauer, Flexibilität und eiserne Disziplin – macht sie zum Vorbild für andere arbeitslose Spezialisten, die den beruflichen Neustart wagen müssen.

Beyer spricht aus Erfahrung. Im Januar ist in Deutschland ein neues Adecco-Karriereprogramm gestartet, das Top-Athleten helfen soll, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. In 24 Ländern läuft die Initiative bereits. In Deutschland kümmert sich nun der Personaldienstleister zusammen mit der Deutschen Sporthilfe und dem Nationalen Olympischen Komitee kostenlos um arbeitslose Medaillenstars. Etwa 750 Härtefälle weltweit haben die Personalvermittler seit Anfang des vergangenen Jahres beraten, rund 50 davon in Deutschland.

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