Stellenbesetzung
Ausgegrenzt wird unter der Hand

In den USA kümmern sich Spezialberater um diskriminierungsfreie Stellenbesetzungen. Sie kassieren für ihre politisch korrekten Ratschläge 450 Dollar die Stunde, sind aber immer noch billiger als Prozesse, bei denen renommierte Firmen regelmäßig zu schmerzhaften Millionenzahlungen verdonnert werden.

LOS ANGELES. Das Management des US-Telefonanbieters Verizon war nicht „amused“. 49 Millionen Dollar musste die Firma kürzlich an 12 000 Angestellte zahlen. Der Grund: ein jahrelanger Rechtsstreit, weil schwangeren Frauen, die für Verizon arbeiteten, Pensionsansprüche und Schwangerschaftsurlaub versagt worden waren. Ein Ausrutscher im Arbeitsvertrag, der von der Personalabteilung nicht sorgfältig formuliert war, hatte zu diesem Finanzdisaster geführt.

Auch der hippe Klamottenhersteller Abercrombie & Fitch mit 22 000 Angestellten in 700 US-Filialen bekam Ärger: 40 Millionen Dollar Abfindung musste A&F kürzlich an lateinamerikanische, schwarze und asiatische Jobbewerber zahlen. Die Bewerber hatten A&F wegen Diskriminierung ob ihrer ethnischen Herkunft verklagt – und gewonnen.

Hungrige Juristen warten nur darauf, dass ein Arbeitgeber in Stelleninseraten Fehler macht. „Ich weiß von Kollegen, die jeden Tag die Jobanzeigen studieren – in der Hoffnung, dass eine Firma eine undichte Annonce aufgegeben hat“, berichtet Joe Pertel, Anwalt aus Santa Monica in Kalifornien. „Undichte Annoncen?“ Das sind Anzeigen, die den politisch korrekten Grundregeln nicht entsprechen. Immer öfter heuern deshalb Firmen wie Microsoft, der Versicherer Blue Shield oder Morgan Stanley und die Bank of America Beraterfirmen wie CPE (California Professional Employees) aus Los Angeles oder Brass Ring aus Waltham im US-Bundesstaat Massachusetts an. Der einzige Job dieser Human-Resources-Management-Solution-Firmen: unangreifbare Stellenausschreibungen zu erstellen. „Es grenzt an Irrsinn, dass wir uns vor potenziellen Angestellten schützen müssen, noch bevor wir jemanden einstellen“, heißt es bei Verizon. Aber „das ist Realität.“

Thomas Purr von CPE erklärt: Es ist „ungemein wichtig“, dass jede Bewerbung „gründlich auf verbale Ausfälle geprüft wird“. So sind Referenzen zu Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht oder Behinderungen verpönt. Ebenso wenig darf nach Altersvorzügen, medizinischen Problemen oder Hochzeitsplänen – bei weiblichen Bewerbern – gefragt werden.

Julide Ochs hatte sich auf eine Anzeige einer Werbeagentur in Los Angeles als Rezeptionistin beworben. Als sie im Vorstellungsgespräch gefragt wurde, ob sie denn in den nächsten sechs Monaten schwanger werden wolle, klagte sie – und gewann. „US-Richter werden bei Diskriminierungsfällen hellhörig. Meist bekommt der vermeintlich Schwächere, der Kläger, Recht“, weiß Pertel.

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