Studentenvertreter äußern Empörung
Streit um Professor Ackermann

Frankfurt am Main - Höchste Zeit, Josef Ackermann zu ehren, finden die Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Frankfurter Goethe-Universität: Dekan Wolfgang König und sein Vorgänger Reinhard Schmidt bemühen sich um die Berufung des Deutsche-Bank-Chefs zum Honorarprofessor.
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HB FRANKFURT. Studentenvertreter sind empört: Ausgerechnet der und ausgerechnet jetzt, heißt es im AStA. Eine Entscheidung zeichnet sich noch nicht ab - aber großer Streit. „Bei uns im Fachbereich ist es schon beschlossen worden“, sagt Dekan König. Seit 2002 lehre Ackermann in zweitägigen Seminaren Bankenstrategien. Die Uni müsse ihm 35 Euro pro Doppelstunde zahlen, „obwohl er die gar nicht haben will.“ Lukrativer sei auch die Honorarprofessur nicht - im Gegenteil: „Dann hat er eine Lehrverpflichtung.“ Ackermanns öffentliches Image stelle die Ehrung nicht in Frage: „Wir ehren seine akademische Persönlichkeit.“

Königs Vorgänger Schmidt nennt Ackermann „den akademischen Intelektuellen unter den deutschen Großbankern“. Bedachtsam, kenntnisreich und konzentriert habe er unterrichtet, „wissenschaftlich absolut erste Klasse“.

Frühestens Anfang März dürfte der akademische Senat über Ackermann beraten - auf Basis wissenschaftlicher Gutachten, aber mit Beteilung aller Interessengruppen. Das Uni-Präsidium äußert sich nicht, aber bei den Studenten formiert sich Protest: Ackermann solle als Diskussionspartner auftreten, aber nicht als Lehrender, sagt AStA-Referent David Dilmaghani. Sonst sei „die Unabhängigkeit der Uni unmittelbar gefährdet“. VWL-Student Joachim Münch sekundiert: „Die soziale Verantwortung der Wirtschaft kommt bei uns generell sehr kurz.“ Ein Kommilitone berichtet: „Die Leute fassen sich an den Kopf, wenn sie darüber sprechen.“ Einen offiziellen Beschluss haben die Studentenvertreter noch nicht gefasst. Aber wie es laufen könnte, ahnen sie, seit protestierende Studenten vor Monaten einen Gastvortrag von Peter Hartz sprengten.

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