Studie
Gutverdiener meist zufrieden mit ihrem Nettoeinkommen

Anders als häufig in der Diskussion um Steuerentlastungen angenommen, sind Gutverdiener einer Studie zufolge mit ihrem Nettoeinkommen meist zufrieden. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer Studie herausgefunden.

HB BERLIN. Die in der Debatte vermutete Verletzung des Prinzips der Leistungsgerechtigkeit durch eine progressive Besteuerung höherer Einkommen scheine in den oberen Einkommensklassen kaum wahrgenommen zu werden, hieß es in der am Mittwoch veröffentlichten DIW-Studie.

Dagegen sei die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen und dem als angemessen betrachteten Einkommen in der Gruppe mit den niedrigsten Einkommen bei weitem am höchsten: „Das Ausmaß an erfahrener Ungerechtigkeit nimmt deutlich in dem Maße ab, wie das eigene Einkommen zunimmt.“

In der aktuellen Reformdebatte wird immer wieder die Forderung erhoben, Leistungsträger weniger stark mit Steuern zu belasten. In der Fallstudie auf Basis einer Befragung von knapp 3400 Erwerbstätigen kam das DIW nun zu dem Schluss, dass sich etwa zwei Drittel aller Befragten netto als angemessen entlohnt sehen. Dabei war in der unteren Einkommensklasse von 771 bis 1200 Euro der Anteil der Unzufriedenen mit rund 45 Prozent wesentlich höher als in den darüber liegenden Klassen.

Bei den Beziehern von Netto-Einkommen über 2301 Euro lag der Anteil sogar nur bei gut zehn Prozent. Daraus schlossen die Forscher: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Abgabenquote und der wahrgenommenen Einkommensungerechtigkeit.“

Die DIW-Studie zeigt außerdem, dass die Arbeitszeitregelung im Betrieb eine wichtige Rolle spielt bei der Bewertung der Einkommensgerechtigkeit. So werde das Einkommen dort eher als ungerecht beurteilt, wo der Betrieb vorschreibe, wann seine Beschäftigten zu arbeiten hätten - und dies auch noch zu wechselnden Tageszeiten. Legen hingegen die Beschäftigten selbst fest, wann sie arbeiten, fühlen sie sich eher gerecht entlohnt: „Zeitautonomie ist offensichtlich ein Substitut für ein höheres Einkommen im Betrieb“, schrieben die DIW-Forscher.

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