Studie zu Managergehältern
„Wer verdient sein Geld, wer bekommt es nur?“

Die Reallohnsteigerung deutscher Arbeitnehmer fiel in den letzten Jahren dürftig aus. In den Führungsetagen sieht es da schon besser aus: Einer Studie zufolge ist der Lohn der Top-Manager seit 2005 um acht Prozent gestiegen. Der Verfasser Michael Wolff erklärt im Gespräch mit Handelsblatt.com die Hintergründe und Schlussfolgerungen der Studie.

Frage: Was hat Sie am meisten an Ihrer Studie überrascht?

Wolff: Die größte Überraschung war für mich, dass der Anteil von Aktien und Aktienoptionen nur acht Prozent von der Gesamtvergütung ausmacht. Das wird von der Öffentlichkeit ganz anders wahrgenommen.
Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass die Bundesregierung auf das falsche Pferd setzt, wenn sie die Sperrfrist für Aktien per Gesetz auf mindestens drei Jahre festlegen will. Schließlich liegt die Sperrfrist im Durchschnitt bereits bei 2,9 Jahren.
Mich hat auch die enorme Differenz zwischen den Indizes überrascht. Der Manager eines Dax-Konzerns verdient etwa 2,9 Millionen Euro pro Jahr. Die Vorstände von SDax-Unternehmen hingegen nur knapp eine Million Euro.

Eine Million Euro pro Jahr sind immer noch viel Geld. Verdienen deutsche Topmanager zu viel?

Generell würde ich die Frage eher verneinen. Das Problem ist, dass man nicht nachvollziehen kann, wer sein Geld verdient und wer es nur bekommt. Das Verhältnis zwischen Leistung und Gehalt ist entscheidend.
Generell müssen kurzfristige und langfristige Aspekte berücksichtigt werden, wenn die Leistung beurteilt wird. Der Jahresumsatz ist ebenso relevant wie die Entwicklung des Aktienkurses auf lange Sicht.

Was sollten Aufsichtsräte bei der Bezahlung ihrer Vorstände berücksichtigen?

Die richtige Mischung aus Grundgehalt, Jahresbonus, Aktien und auch Pensionszusagen ist wichtig. Einen Manager mit Aktien an der Entwicklung des Kurses partizipieren zu lassen, ist aus meiner Sicht auf jeden Fall ein richtiges Mittel.
Generell müssen Aufsichtsräte zwei Dinge unter einen Hut bringen. Zum einen müssen sie sich fragen, wo das Unternehmen steht. Also, den Unternehmenskontext beachten. Ebenso wichtig ist das Umfeld der Firma und der Arbeitsmarkt für Manager. Das Gehalt eines Vorstands hängt von der Branche und der Größe des Unternehmens ab.

Das Vorstandsvergütungsoffenlegungsgesetz fordert von den Unternehmen, die Gehälter ihrer Vorstände zu veröffentlichen. Funktioniert das?

Die Berichterstattung ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden. 76 Prozent der Unternehmen kommunizieren jetzt die individuellen Gehälter. Das Gesetz fordert, dass alle Bestandteile der Vergütung veröffentlicht werden. Aber die Hauptversammlung kann eine Ausnahme beschließen. Durch die so genannte Opt-Out-Regel kann das Unternehmen für weitere fünf Jahre die Zahlen unter Verschluss halten. Das passiert in Unternehmen, in denen nur wenige große Aktionäre das Sagen haben.
In vielen Fällen sind die Angaben aber noch nicht wirklich transparent und nachvollziehbar. Zum Beispiel ist die Rechenlogik bei den Pensionsvergütungen oft unverständlich. Es würde helfen, wenn die Berichterstattung per Gesetz standardisiert wird. Einen weiteren Schritt hin zu mehr Transparenz könnten die Aufsichtsräte gehen, wenn sie die Vergütung der Manager der Hauptversammlung vorstellen würden.

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