Studie zu Vorstandsgehältern
Die Lohntüte der Chefs

Erfolglosen Managern wird gerne vorgerechnet, wie viel ihr Unternehmen eigentlich für sie bezahlt. Wovon das Gehalt vom Chef wirklich abhängt und wie viel Spitzenleute in Deutschland verdienen, hat eine Studie ermittelt. Das Papier aus Karlsruhe hält einige Überraschungen bereit.

Das "Vorstandsvergütungsoffenlegungsgesetz" von 2005 macht es möglich: Marc Rapp von der Technischen Universität München und Michael Wolff von der Karlsruher Uni sammelten zwei Jahre lang Informationen über die Verdienste deutscher Manager. Das Gesetz aus dem Jahr 2005 verpflichtet jedes Unternehmen, die Gehälter des Vorstands zu veröffentlichen.

"Frühere Studien haben sich immer nur die Dax-Unternehmen angeschaut", sagte Michael Wolff Handelsblatt.com. Deshalb habe sich die gesellschaftliche Diskussion lediglich um die Top-Manager gedreht. Die jüngste Studie betrachtet hingegen 330 Unternehmen aus Dax, SDax, MDax und TecDax. Mehr als 70 Prozent der Unternehmen haben jetzt individuelle Zahlen veröffentlicht. Noch hätten die Wissenschaftler allerdings ihre Probleme mit einigen Geschäftsberichten. Einige Informationen fehlten, andere waren unverständlich dargestellt.

Im Zentrum der Studie steht das Vergütungssystem, welches das Gehalt der Vorstände ausmacht. Dazu gehören ein monatlich gezahlter fester Betrag und eine variable Barvergütung, die nur als Jahresbonus ausgezahlt wird, wenn ein festgesetztes Ziel erreicht wird. Im Gegensatz dazu ist die aktienkursorientierte Vergütung eher ein langfristiger Bestandteil der Lohntüte. Dadurch achten die Vorstände auf die Nachhaltigkeit von Entscheidungen, damit der Kurs mehrere Perioden stabil bleibt. Zum Vergütungssystem gehören auch Pensionszusagen und Einmalzahlungen, die Wolff und Rapp allerdings in ihrer Studie nicht aufgreifen, weil die Angaben der Unternehmen dazu zu unübersichtlich sind.

Wolff betrachtet die Entwicklung der Gehaltsbestandteile von 2005 bis 2007. Sein Ergebnis: Diese Gesamtvergütung stieg innerhalb der zwei Jahre um acht Prozent auf 0,9 Millionen Euro. Zwischen den Vorständen ergeben sich große Unterschiede. Der Manager eines Dax-Konzerns verdient im Durchschnitt 2,9 Millionen Euro. Aber die große Mehrheit von 70 Prozent bekommt weniger als eine Million Euro.

Die Grenze von einer Million Euro wird oft erwähnt, wenn über den angemessenen Lohn für Manager diskutiert wird. Das könnte daran liegen, dass Gehälter bis zu einer Million Euro steuerlich absetzbar sind. Zwölf Prozent der Manager verdienen mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr. "Vor diesem Hintergrund ist es übertrieben, von flächendeckenden Multimillionengehältern zu sprechen", sagt Wolff.

55 Prozent des Managerlohns hängen davon ab, ob sie konkrete Zielvorgaben erreichen. Aber der Wert variiert stark, je nachdem in welchem Index ein Unternehmen notiert ist. Die Unterschiede zwischen den Indices fallen in allen Bereichen auf. So verdient ein Manager eines Dax-Konzerns doppelt so viel wie ein Kollege von einem MDax-Unternehmen und das dreifache vom Gehalt eines Vorstandes aus dem SDax.

Michael Wolff zieht das Fazit, dass die Diskussion über Managergehälter oft auf falschen Tatsachen auf baut. Er fordert mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Dafür schlägt er dem Gesetzgeber ein ganzes Paket von Maßnahmen vor. Zum einen soll die Hauptversammlung über die Managerverträge informiert, oder noch besser: an deren Ausarbeitung beteiligt werden. Außerdem soll der Prozess, in dem solche Verträge entstehen, transparent gemacht werden.

Um den Geschäftsbericht zu dem Thema verständlicher zu machen, sollten alle Unternehmen einen einheitlichen Standard wahren. "Es würde vieles einfacher machen, wenn die Unternehmen eine standardisierte Excel-Tabelle ausfüllen", sagt Wolff. Auch Szenariorechnungen seien wünschenswert - damit könnten auch die Aktionäre bereits im Vorfeld abschätzen, was dem Unternehmen ein Manager wert ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%