Studien belegen großen Nachholbedarf bei ökonomischer Bildung in Deutschland
Von Wirtschaft keine Ahnung

Studien belegen großen Nachholbedarf bei ökonomischer Bildung in Deutschland. Die Hoffnung, dass ökonomische Kenntnisse automatisch die eigene Karriere begünstigen, lässt sich allerdings nicht ohne weiteres belegen.

Die Deutschen sind finanzielle Analphabeten. Jeder Vierte, den die Bertelsmann Stiftung in diesem Frühjahr befragt hat, glaubt, dass Aktien eine besonders sichere Geldanlage gegen Wertverlust sind. Besserverdiener gaben in der Studie sogar an, Sparbücher seien riskanter als Aktien.

Selbst Wirtschaftsstudenten sind vor Irrtum nicht gefeit. Fast jeder dritte Student der Wirtschaftswissenschaften konnte in einer Commerzbank-Studie nicht die Frage beantworten, in welcher Stadt die Europäische Zentralbank ihren Sitz hat. Frankfurt wäre die richtige Antwort gewesen. Und jeder zweite Ökonomie-Student wusste nicht, dass ein Bausparvertrag nicht unbedingt an eine Immobilie geknüpft sein muss. Die studentische Marketingvereinigung MTP hatte die finanzielle Allgemeinbildung von 200 Kommilitoninnen und Kommilitonen an den Universitäten Mannheim, Köln, Münster und Duisburg-Essen getestet. Die Ergebnisse wurden zu Jahresbeginn veröffentlicht und sorgten für Betrübnis unter Bildungsexperten.

„In Deutschland herrscht großer Nachholbedarf bei ökonomischer Bildung“, sagt Hans Kaminski, Professor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Kaminski leitet dort das Institut für Ökonomische Bildung. „Wer keine Kenntnisse in Ökonomie und Politik hat, ist der öffentlichen Meinung fast widerstandslos ausgesetzt. Je weniger ich weiß, desto mehr muss ich glauben“, sagt der Experte.

Das Verständnis für politische Reformen wie etwa bei der Agenda 2010 wäre in Deutschland wohl größer, wenn es um die wirtschaftliche Bildung der Menschen besser bestellt wäre, glaubt auch Gerhard Kleinhenz. Der Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Passau war bis 2002 Leiter des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). „Das Interesse der Öffentlichkeit richtet sich bei Wissenschaftsthemen häufig nur auf naturwissenschaftliche Phänomene. Dabei sind die Gesetze der Wirtschaft genauso spannend und bedeutsam.“

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